Bike & Hike aufs Grasköpfel 1.753m

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Urlaubs- und Mittelmeerfeeling garantiert – und das mitten in Bayern. Genauer gesagt an bayerisch-österreichischen Grenze am Sylvensteinspeicher. Der Stausee glitzert herrlich blau unter weißem Kiesstrand, während sich die umliegenden Berge mit ihren noch schneebedeckten Gipfeln auf der Wasseroberfläche spiegeln. Mit einem Radler in der Hand lassen wir die Füße ins kühle Nass baumeln und die Sonne auf unsere Nasen scheinen. So klingt der Tag nach unserer Bike & Hike Tour auf’s Grasköpfel aus.

Bike & Hike auf’s Grasköpfel

Am Morgen desselben Tages weckte uns abermals die Sonne, die durch das lichte Blätterdach des Wohnmobilstellplatzes brach und uns an den Nasen kitzelte. Trotz der frühen Stunde war die Luft warm genug draußen zum Frühstücken. Frisch gestärkt sattelten wir die Elektrodrahtesel und brachen zur zweiten Bike & Hike Tour auf.

Türkises Wasser im Sylvensteinspeicher

Idyllischer Sylvensteinstausee

Einmal kurz die Bundesstraße 307 überquert um ans Ufer des Sylvensteinspeichers zu gelangen. Glitzerndes Wasser und weiße Berggipfel, die sich gegen den stahlblauen Himmel abzeichneten, begleiteten uns auf dem Fahrt am Ufer des Staussee. Auf dem Badeplatz Fall herrschte bereits reges Treiben. Einige kochten über dem Feuer, während andere fleißig ihre Schlauchboote oder Kajak startklar machten. Kinder und Hunde tollten am Wasser.

Es ging noch ein Stückchen weiter am See entlang, bevor wir erneut die Bundesstraße querten. Wir tauchten in den Wald ein und folgten dem gut ausgebauten Schotterweg Nr. 237, der zum Faller Rundweg gehört, Richtung Wiesalm-Diensthütte. Je näher wir den Hütte kamen, desto stärker mussten wir in die Pedale treten. Schweißperlen traten auf die Stirn und tropften herab. Bald waren die Trikots nassgeschwitzt, während wir Meter um Meter zur Diensthütte strampelten. Die Erleichterung mittels E-Motor hielt sich in Grenzen, da eine zu hohe Unterstützung die Hinterreifen durchdrehen und den Schotter spritzen ließ.

Einige Meter vor der Wiesalm-Diensthütte zweigte der Weg Nr. 237 nach rechts ab. Der Weg flachte ab, der Puls fiel und das Blätterdach des Laubwaldes sperrte die Sonne aus. So lies sich in der angenehmen Kühle des Waldes bestens durchatmen.

Herrlicher Ausblick kurz unterhalb des Grammersberg

Die Schotterstraße begann sich nun in weiten Kehren bergauf zu schlängeln und wir ließen das schattige Grün hinter uns. Als bald standen wieder die Schweißperlen auf der Stirn und die Trikots begannen zu durchweichen. Der Weg schraubte sich immer höher und höher. Mit jedem Höhenmeter wurde ein weites Puzzlestück des Ausblicks auf das Karwendelgebirge hinzugefügt. Das Stierjoch, an welchen wir auf unserer Bike & Hike Tour am Vortag vorbeigekommen waren, wachte über uns als wir den Grammersberg (1.471 m) passierten.

Grammersbergalm

Grammersbergalm

Wir erreichten ein kleines Plateau, auf den zum Teil noch Altschnee lag, welcher sich unter der warmen Sonne langsam in kleine glitzernde Rinnsale verwandelte. Wir hatten die Grammersbergalm erreicht. Neben der Alm lag ein kleiner Picknickplatz mit Feuerstelle, der zum Verweilen einlud. Die Sonne stand hoch am Himmel und kündigte die bevorstehende Mittagszeit an. Perfektes Timing für eine Pause. Hatten wir uns nach 1 Stunde 15 Minuten mit ungefähr 750 Höhenmetern auch redlich verdient.

wohlverdiente Pause an der Alm

Die Flamme des Gaskochers rauschte und schon bald blubberte das Wasser im Topf. Die Tassensuppe verlieh neue Kräfte und der anschließende Kaffee half gegen die Mittagsmüdigkeit. Welch ein Ausblick, der sich hinter der Falttasse bot. Bereits grüne Gipfel reihten sich an noch schneebedeckte weiße Berge des Alpenhauptkamms. Leise plätscherte Schmelzwasser auf der Wiese. In der warmen Sonne machte sich langsam Lethargie breit. Nur schnell weiter bevor wir an diesem idyllischen Ort eindösen und mit einem mörderischen Sonnenbrand wieder aufwachen würden. Ein gutes Stück Weg hatten wir schließlich noch vor uns.

Die E-Mountainbikes ketteten wir an den Zaun der Alm, denn es sollte das letzte Stück zum Gipfel auf Schusters Rappen zurückgelegt werden. Ein kurzes Stück durch den Altschnee und schon hatten wir ein kleines Aussichtsplateau oberhalb der Alm erreicht. Schwarzdunkle Flecken ließen die regelmäßige Anwesenheit von biwakierenden Bergwanderern erahnen.

Blick zurück auf die Grammersbergalm

Pirschneid

Bald vereinzelten sich die Bäume, bis wir die letzten hinter uns ließen. Wir hatten Pirschneid (1.639 m) erreicht. Der Pirschneid ist ein Bergrücken, der vom Grasköpfel zum Sylvensteinspeicher hin abfällt und sehr steil zum Oedlbachtal hin abfällt. Als kleiner Pfad ohne viele Höhenmeter verlief der Wanderweg Nr. 237 im Hang, der an vielen Stellen so schmal ist, dass weder Gegenverkehr noch Überholen möglich ist.

Panaromaweg am Pirschneid

Ein kurzes stahlseilversichertes Stück an einer Felskante ließ uns etwas Luft unter den Füßen erahnen. Mit jedem Schritt erhob sich der Schafreuther imposanter über die umliegenden Berge. Viel Schnee, welcher bisher dem Frühling getrotzt hatte, bedeckte seine Flacken und sein Haupt. Wo hingegen unser Weg weitestgehend von weißen Nass befreit war.

Seilversichertes Stück mit Blick auf den Schafreuther
Blick zurück zum versicherten Stück

Eine gute halbe Stunde nach dem Abmarsch von der Alm erreichten wir die Abzweigung zum Grasköpfel. Knappe 100 Höhenmeter trennten uns noch von unserem Ziel. Diese sollten aber einen knackigen Endspurt darstellen.

Die letzten Meter zum Gipfel

Grasköpfel 1.753 m

Die letzte viertel Stunde stiegen wir in kleinen steilen Serpentinen dem Gipfelkreuz entgegen. An einigen Stellen war der Aufstieg durch rutschige nasse Schneefelder schwieriger und wir kürzten direkt über den Hang ab. An anderer Stelle war der Boden aufgeweicht und ein kleines Wegstück weggebrochen.  Das Gipfelkreuz vor Augen ließ die Motivation nicht nach, ganz im Gegenteil. Voller Elan eilten wir dem Gipfel entgegen.

Blick zurück auf den Pirschneid

Nach einem letzten kurzen rutschigen Schneestück war es geschafft. Wir standen am Gipfel des Grasköpfel (1.753). Südwestlich thronte der Schafreuther, im Norden glitzerte der Sylvensteinstausee in türkis und tief unter uns lag der Oedbach. Eine umwerfende Aussicht!

Blick auf den Schafreuther vom Grasköpfel aus
Das Oedbachtal

Neben dem Gipfelkreuz saßen zwei junge Männer, die den Gipfelerfolg mit Weißwürsten aus ihrem Trangia-Kocher feierten und anschließenden in der Sonne dösten. Uns dagegen wurde es schnell zu warm am schattenlosen Gipfel des Grasköpfel und wir begannen nach unserer Gipfelpause zügig mit dem Abstieg.

Gipfelkreuz

Über den Aufstiegsweg gelangten wir zur Grammersbergalm zurück um anschließend den Weg Nr. 237 mit den Rädern hinunter zu rollen. An der Wiesenalm-Diensthütte hielten wir uns rechter Hand auf dem Weg Nr. 3 um noch den Faller Rundweg fast gänzlich zu komplettieren. Oberhalb der Krottenbachklamm führte uns der Rundweg durch lichten Laubwald bergab zurück nach Fall.

Am Stellplatz angekommen tauschten wir die Fahrradklamotten gegen bequemere badetaugliche Klamotten und machten uns zum zweiten Mal an diesem Tag auf den Weg zum Stausee. Bei Mittelmeerfeeling und einem Radler klang die Tour am See schlussendlich aus.

Ausblick vom Grasköpfel

Fazit zur Bike & Hike Tour auf’s Grasköpfel (1.753 m):

Herrliche Bike & Hike Tour an den Toren des Karwendels. Von Mittelmeerfeeling am Sylvensteinspeicher über einige steilen Radwegstücke bis hin zu einem Panoramawanderweg am Pirschneid bietet diese Tour für jeden Geschmack etwas. Der Weg bist zur Grammersbergals eine Schotterstraße mit mehr oder minder steilen Stücken, welche sich mit Elektrounterstützung gut bewältigen lassen und sonst keine technischen Schwierigkeiten aufweisen. Die Grammersbergalm bietet sich als ideale Pausengelegenheit und Fahrraddepot an. Der Panoramawegähnliche Pfad am Pirschneid erfordert dagegen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Einkehrmöglichkeiten gibt es nur in Fall selbst, auf dem Weg zum Gipfel ist man auf Selbstversorgung angewiesen. Insgesamt eine sehr schöne abwechslungsreiche Bike & Hike Tour.

Daten & Fakten:

  • Bike:
    • Dauer: Auffahrt circa 1 h 15 min, Abfahrt circa 50 min
    • Höhenmeter: circa 750 m
  • Hike:
    • Dauer: Aufstieg 45 min (ab Grammersbergalm), Abstieg 35 min
    • Höhenmeter: circa 250 m
  • Gesamtes Bike & Hike:
    • Dauer: 3 h 30 min
    • Höhenmeter: circa 1000 Höhenmeter
    • Strecke: 21,8 km
    • GPS-Track: Bergfex

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