Bike & Hike: Zum Kotzen (1.771m)

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Skitouren haben den Vorteil, dass man nach schweißtreibendem Aufstieg mehr oder minder gemütlich Abfahren kann. Irgendwann naht der Frühling und der Schnee schmilzt. Auf der Suche nach einem Pendant in den warmen Jahreszeiten kam uns die Idee, mal (wieder) Bike & Hike -Touren zu unternehmen.

Bike & Hike hatten wir bislang nur in abgespeckter Version bei unserer Tour auf’s Sonntagshorn im Chiemgau ausprobiert und uns einen langen Talhatscher erspart.

Stellplatz am Sylvensteinspeicher

Der Wettergott war unserem Masterplan hold, denn schon im April kletterte das Thermometer über die 20 Grad Marke. So könnten wir Ende des Monats in ein sonniges und warmes langes Wochenende starten. Freitag nach der Arbeit brachte uns unser liebes Wohnmobil, die Liesl, sicher ins Karwendel. Die nächsten beiden Nächte durfte Liesl am Stellplatz in Fall am Sylvenstein-Stausee verbringen. Im idyllischen frühlingsgrünen Laubwald mit vielen kleinen heimeligen Nischen fühlte sich die Liesl rundum Wohl. Gesellschaft bekam sie von einem froschgrünen Expeditionsmobil und einem alten umgebauten Löschfahrzeug. Die meisten Stellplatzbewohner hatten Kanus auf dem Dach oder auf dem Fahrradträger geladen. Fahrradfahrer waren hier eher die Ausnahme.

Stellplatz am Sylvensteinspeicher – idyllisch im Wald gelegen

Dürrachtal & Geschiebesperre

Nach einem gemütlichen Frühstück unter dem Dach des Waldes, beschallt von Blätterrascheln und Vogelgezwitscher, sattelten wir unsere Drahtesel und los ging’s. Die Asphaltstraße führte uns aus Fall heraus Richtung Süden. Knapp hinter dem Ortschild tauchten wir wieder in den Wald an. Schon am frühen Morgen strahlte die Sonne kräftig, sodass wir schnell ins Schwitzen kamen. Kurz der Softshelljacken entledigen und weiterstrampeln. Leise plätscherte die Dürrach rechts von uns. Wir drangen circa vier Kilometer ins Dürrachtal vor, bevor wir nach rechts, an einer Schranke vorbei, abzweigten. Ein kurzes aber steileres Stück Schotterweg brachte uns zur Geschiebesperre. Die Geschiebesperre ist eine kleine Staumauer, die die Dürrach aufstaut. Die Dürrach glitzerte in der Sonne und füllte ihr Kiesbett nur etwa zur Hälfte aus. Nach der Sperre schnitt der Fluss zwischen Felsen ein um seinen Weg Richtung Tal fortzusetzen.

Die Geschiebesperre
Die Dürrach

Der gemütliche Teil schien nun vorbei zu sein, denn hinter der Geschiebesperre zog sich der Schotterweg steil bergauf. Da ist man doch froh, die Möglichkeit der elektrischen Unterstützung nutzen zu können. Auf den bisherigen Weg durchs Dürrachtal war das noch nicht von Nöten gewesen. Etwas Anlauf und das steile Stück hochstrampeln. Puuuh, ganz schön anstrengend trotz Hilfsmittel. Schnell war der Puls auf 180 Schläge pro Minute und das Schweiß stand auf der Stirn. Mein einziger Gedanke: „Nur nicht Aufstehen, dann ist’s vorbei und du darfst erstmal schieben.“ Es folgte ein ganzes Stück auf diese Weise bis der Weg wieder abflachte und wir schwer atmend eine kurze Pause einlegten.  Im weiteren Verlauf wechselten sich Steilstrecken und gemütlichere Abschnitte immer wieder ab. So gewannen wir schnell Höhenmeter. Mit jeder Kehre näherten wir uns mehr den Bergen, die sich über uns erhoben. Weißer Schnee glitzerte im Sonnenlicht auf den Hängen und hob die Bergkette scharf vom blauen Himmel mit seinen vereinzelten Schafwölkchen ab.

Wir passierten die noch im Winterschlaf befindliche Stierschlaghütte. Nach Osten fuhren wir zum Weißen Moos. Kurz unterhalb trafen wir auf das erste Altschneefeld im schattigen Wald, in dem wir mit den Fahrrädern stecken blieben. Wadentief wateten wir kurzzeitig im durchfeuchteten Weiß.

Blick auf die Bergkette des Stierjochs kurz vor dem Lerchkogel-Niederleger

Lerchkogel-Niederleger

Kurz darauf verließen wir den Wald. In sanftem Auf und Ab führte uns der Schotterweg auf die Bergflanke hinauf. Vor der schneebedeckten noch winterlichen Bergkette des Stierjochs zeichneten sich kleine Hütten auf frühlingshaft sattbraungrünen Weiden ab. Wir hatten den Lerchkogel-Niederleger erreicht. Auch diese Hüttchen lagen, wie zuvor die Stierschlaghütte, noch im Winterschlaf.  Wir passierten die Hüttchen und wandten uns Richtung Ludernalm. Da auf den Schotterfahrweg zur Alm noch reichlich Schnee lag, stellten wir unsere Drahtesel an der Abzweigung zur Alm, direkt hinter dem letzten Hüttchen des Lerchkogel-Niederleger ab. Nach 619 Höhenmeter Auffahrt auf eine Strecke von 10,7 Kilometer legten wir eine kurze Pause ein. Die Blicke schweiften über den Sylvensteinstausee und das Vorkarwendel bis ins Alpenvorland. Leise taten Vögelchen ihre Meinung kund und die ersten Insekten des Jahres summten um die nahegelegenen Blumenblüten.

Lerchkogel-Niederleger

Flott das Schuhwerk wechseln, bevor es in den Schnee an den Berghängen gehen würde. Trailrunningschuhe sind in diesem Fall nicht mittel meiner Wahl, denn für solche Bedingungen waren teilsteigeisenfeste Bergschuhe eher geeignet.

Die Ludernalm im Schneekleid

Aus vereinzelten Schneefeldern bildete sich bald eine durchgehende Schneedecke über die wir liefen. Die Ludernalm lag malerisch im Schnee. Die Sonne brannte auf die ungeschützte Fläche und das nasse Weiß glitzerte. Bald schon trieb uns die Wärme den Schweiß auf die Stirn. Die nicht mehr kompakte Schneedecke war doch mittlerweile arg aufgeweicht und man brach das ein um andere Mal bis zum Knie ein. Der unregelmäßige Gehrhythmus drosselte unsere Geschwindigkeit, sodass wir langsamer vorankamen. „Den Zeitplan würde sich so nicht einhalten lassen, aber mal schauen. Einfach weitergehen“, so der Gedanke.

Die Ludernalm…
…. lag noch im Winterschlaf

Da der Weg unterm Schnee versteckt war, folgten wir unserer Offline-Karte. Steil ging es in Serpentinen Richtung Joch unterhalb des Kotzenbergs bzw. des Stierjochs. Die unter dem Schnee versteckten Latschen nahmen zu und wir trafen jedes Loch zielsicher. Langsam wurde die Tour echt mega anstrengend, immer wieder aus dem Schnee befreien und ausbuddeln. Blöde Tour… Die Stimmung begann in gleichem Maße zu sinken wie sich die Socken mit geschmolzenen Schnee vollsaugten. Dies lag aber nicht an den Schuhen, sondern an den kurzen Hosen und die dadurch freiliegenden Bündchen der Socken. Die Bergschuhe waren perfekt wasserdicht, was leider auch hieß, dass sich langsam aber sicher ein See in den Schuhen bildete.

Endlich auf den Aufschwung angekommen, legten wir abermals eine Pause. Die Sonne brannte mittlerweile unbarmherzig auf uns nieder und die Reflektion des Schnees tat ihr Übriges. Eigentlich wollten wir ja zum Stierjoch. Der Weg dorthin lag allerdings unter großen Wechten versteckt, die im fortschreitend durchweichten Zustand nicht so die tolle Idee sein würden. Tourenski hatten wir ja keine eingepackt. Also, Planänderung, wohin sollten wir gehen?!

Die Wechten in Richtung Stierjoch
Blick zurück über Ludernalm und Lerchkogel-Niederleger

Zum Kotzen – die Planänderung

Wir änderten den Masterplan und entschlossen uns zum Nachbargipfel zu gehen. Mit 1.771 Meter jetzt nicht so hoch und alpin wie das Stierjoch, aber bei den Verhältnissen gut machbar. Der Gipfel trug den epischen Namen „Kotzen“. Also, auf zum Kotzen! Der Weg führte mit unverändert vielen Fallen, welche durch versteckte Löcher unter der Schneedecke und durch Latschen verursacht, über den Bergrücken. Der Baum- und Latschenfreie Gipfelhang war zum Großteil abgeschmolzen, was den Untergrund matschig werden lies und viele kleine funkelnde Bächen plätscherten über die Wiese. Stefan hatte Pech und blieb beim Überqueren eines kleines Bachlaufs bis knapp unters Knie im Matsch stecken. So wurde der See im Schuh zu einem ausgewachsenen Meer und die Stimmung war dahin. Endgültig am Nullpunkt angekommen. Ich stieg die letzten 10 Minuten zum Gipfel allein auf, Stefan trocknete in der Zwischenzeit seine Socken und Schuhe in der Sonne.

Ausblick kurz vorm Gipfel des Kotzen
Gipfelhang des Kotzen
Letzte Schritte vor dem Gipfel des Kotzen

Es war einmal ein Gipfelkreuz am Kotzen

Noch kurz ein Altschneefeld queren und schon war ich oben angekommen. Auf den letzten Metern, dann der Gedanke: „Mal wieder kein Gipfelkreuz, doof. Aber da steht zumindest komische moderne eckige Kunst…“ Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich gegen die Sonne blickte und so nicht erkennen konnte, dass die vermeintliche moderne Kunst die Reste des Gipfelkreuzes waren. Das Kreuz war nämlich im Vorjahr von einem Unbekannten abgesägt worden, welcher bisher noch nicht gefasst wurde. Auch hatte es noch kein Ersatz auf den Berg geschafft. Ich stand also vor den Überresten des Kreuzes, welche ja im Boden verankert waren. Der Rest lag zwischen Latschen direkt unterhalb des Gipfels. Das stimmte mich traurig. Wer sägt denn bitteschön ein Gipfelkreuz ab?! So was dämliches!

Da fehlt doch was?!
Blinde Zerstörungswut

Trotz zerstörtem Gipfelkreuz konnte ich einen herrlichen Ausblick genießen. Der Sylvensteinstausee glitzerte türkisblau in der Sonne und hob sich von den umliegenden Bergen ab. Im Vorkarwendel lag kaum mehr Schnee, die Berge in meinen Rücken waren dagegen noch fast gänzlich davon bedeckt. Einfach ein Moment zum Genießen.

Blick vom Gipfel des Kotzen mit Sylvensteinspeicher

Abstieg im Schnee

Einige Minuten später holte ich Stefan ab, dessen Schuhe uns Socken zumindest soweit angetrocknet waren, dass er absteigen wollte.  Wir folgten dem Aufstiegsweg zurück. Wo vieler Orts am Morgen noch Schnee gelegen hatte, blitze nun der blanke Boden bzw. der Wanderweg hervor. Der Rückweg gestaltete sich dadurch nicht ganz so nass für die Füße. Am Fahrraddepot angekommen, verzichteten wir auf Schuhwechsel und rollten mit unseren Drahtesen zur Geschiebesperre. Durchs Dürrachtal gelangten wir wieder zurück an den Stellplatz in Fall.  Dort packten gerade die meisten Kajakfahrer ihre Sachen ein und wirkten glücklich. Es schien ein guter Tag für sie gewesen zu sein, wie für uns auch.

Weg vom Kotzen zurück zum Gipfelhang
Nachmittags war schon viel Schnee wieder weggeschmolzen an der Ludernalm.

Fazit zur Bike & Hike -Tour auf den Kotzen:

Das Karwendel eignet sich super für Bike & Hike – Touren. Durch das tiefe Dürrachtal, welches einen langen Talhatsch erfordern würden, lässt es sich über gut ausgebaute Wege radeln. Selbst die Schotterwege nach der Geschiebesperre sind von guter Qualität. Einzig die Steilstrecken mit Steigungen bis 18% in diesem Abschnitt erfordern gute Kondition und / oder Elektrounterstützung. Wenn man nicht unbedingt durch den Schnee laufen möchten, so sollte man diese Tour erst ab Mai angehen. Dennoch ist solch eine Frühlingstour mit Schneekontakt für mich schon immer was besonderes. Im Tal schon Frühling und am Berg der sterbende Winter. Der Kotzen, ich finde den Namen immer noch toll, bietet einen herrlichen Ausblick und ist wirklich empfehlenswert. Insgesamt eine schöne Tour, die ich nur weiterempfehlen kann.

Daten & Fakten:

  • Bike:
    • Auffahrt: 10,7km, 619 hm, 1: 13 h (mit E-MTB), Steigung 18%
    • Abfahrt: s. Auffahrt, 45 min, Gefälle 18%
  • Hike:
    • Strecke: 11,42 km
    • Dauer: circa 5,5 Stunden
    • Höhenmeter: circa 600 hm

4 Kommentare auch kommentieren

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    Wiki

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      Greetings,
      Astrid

  2. Manuela sagt:

    Oh, noch ein Tourenvorschlag für Bike & Hike. Wobei 600/600 schon happig sind – vorallem ohne E-Bike!
    Aber auf den Kotzen wollte ich schon lange mal (der Name ist einfach zu witzig ;-)). Das mit dem Gipfelkreuz ist ja Wahnsinn – warum??

    LG Manuela

    1. miiiep sagt:

      Selbst mit e-bike ist es noch anstrengend, wenn man noch sportliche Ambition hat und nur mit den niedrigsten unterstützungsstufen strampelt 😅

      Ich finde es schade, dass das Gipfelkreuz nicht ersetzt wurde. Liegt wahrscheinlich daran, dass in der Nähe ein anderes Kreuz ebenso abgesägt worden war. Würde ersetzt und kurz darauf erneut abgesägt.

      Die Tour ist trotz kaputten Gipfelkreuz wunderschön!

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