Der Felsensteig bei Königstein – wie im Märchen

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Unwirklich erhoben sich die die bizarren Felstürmchen im Licht des Waldes. Viele boten Efeu und anderen Pflanzen ein Zuhause während leise Insekten summten und das braune Laub unter unseren Schritten raschelte. Plötzlich durchbrachen Rufe die Stille dieser märchenhaften Umgebung: “ Zu! Ab!“

Doch ich greife vor. Es war mal wieder Wochenende. Das erste richtig schöne sonnige Wochenende und das im April. Knapp 20 Grad und windstill. Perfekt um mal wieder eine Tour im Frankenjura zu unternehmen. Schon nach kurzer Überlegung fiel uns der Felsensteig bei Königstein ein. Eigentlich in der Oberpfalz gelegen, Landkreis Amberg-Sulzbach, dennoch nur einige Meter in den nicht fränkischen Gefilden und somit außerhalb des Landkreises Nürnberg Land. Geologisch gesehen gehört dagegen alles zusammen, da die Landschaft aus dem ehemaligen Frankenjurameer vor Urzeiten entstanden war.

Wanderparkplatz am Ortsrand von Königstein

Der Beginn der Tour lag am Ortstrand von Königstein, denn dort ist ein Wanderparkplatz gelegen, auf dem wir unsere Autos abstellten. Sugar war auf der Fahrt schon ganz aufgeregt gewesen, denn sie wusste, dass es wieder wandern gehen würde. Fröhlich hüpfte sie im Kofferraum hin und her, was sie auf dem Parkplatz unentwegt fortsetzte. Noch kurz auf die Freundin warten, die uns begleiten wollte. Ein tiefes Motorengrollen drang aus dem Königsteiner Ortszentrum zu uns. Das Grollen näherte sich dem Parkplatz und parkte in Form eines weißen Sportwagens neben uns ein. Für Sugar war kein Halten mehr, denn das weiße Wägelchen war hinlänglich bekannt und wurde mit fröhlichem Gebell begrüßt. Jetzt war die Herde vollständig und wir konnten losziehen.

Abzweig des Felsensteigs in Mitteldorf

Felsensteig und Locher Felsen

Vom Ortsrand wanderten wir entlang der Straße Richtung Mitteldorf. Dort bereiteten sich die Ortsansässigen, in bayerische Tracht mit Dirndl und Lederhosen gehüllt, mit Würstchen und Bier anscheinend auf eine Kirchweih in der nahen Umgebung vor. Nach einigen Häusern und der Bushaltestelle von Mitteldorf wies uns ein Schild den Weg rechts in den Wald. Wir folgten der Markierung des Felsensteigs, blauer Strich auf weißem Grund. Unser erstes Ziel hatten wir zuvor schon vom Dorf aus erspäht, denn die Locher Felsen erhoben sich von Weitem über die Ebene. Bald waren die Felsen erreicht. Ein kleines Tor trennte uns noch von der Formation. Hindurch und schnell wieder schließen, da um die Felsen Weidevieh gehalten wird, welchem wir aber nicht begegneten. Lediglich das Schild am Eingang und vielerlei Hinterlassenschaften zeugten von der Anwesenheit der Tiere.

Locher Felsen
Ausblick von den Locher Felsen

Zahlreiche Trampelpfade führten auf und um die Felsen herum. Zuerst erklommen wir die Felsformation. Eine kleine Bank lud zum Verweilen und zum Genießen des herrlichen Ausblicks über das Tal ein. Bis weit ins Nürnberger Land, die Oberpfalz, die Ossinger und Königsteiner Polje ließen wir unsere Blicke schweifen.  Die Felsen boten neben der tollen Aussicht noch einige Highlights. Bei der Umrundung fanden wir im Osten ein Felsentor, im Norden eine tiefen Spalte und im Westen eine kleine Höhle.

Gipfel der Locher Felsen

Der Teufelsstuhl

Zurück auf dem Felsensteig führte uns dieser weiter bergauf zum Teufelsstuhl. Idyllisch auf der Bergkuppe gelegen erhob sich die Felsformation mit dem biblischen Namen vor uns. Ein großer Felsriegel, frankenjuratypisch mit vielen Löchern, und auf der einen Seite hübsch mit Moos und Efeu bewachsen. Im Sonnenschein blitzte es im Fels auf. Dort waren Bohrhaken zum Klettern angebracht. Auf der einen Felsseite tauchten plötzlich zwei einsame Kletterer auf und begutachteten die Routen. Von Schwierigkeitsstufen 2+ bis 8 UIAA ist zwar alles dabei, der Großteil ist allerdings in der höheren Schwierigkeitsskala angesiedelt. Wir überließen die beiden jungen Männer ihren sportlichen Ambitionen.

Teufelsstuhl

Märchenhafte Felsen

Wir setzten unseren Weg weiter Richtung Steinberg fort. Auf ein kurzes unspektakuläres Wegstück folgte bald wieder Abwechslung. Im weichen Licht des Waldes tauchten abermals Felsformationen auf, unter denen Weg entlang führte. Mit Moos und Efeu bewachsen, welche im sattem frühlingsgrün erstrahlten, und leisen Summen von Insekten vermittelten die Felsen ein Eindruck sich in einem Märchenwald zu befinden. Die einzigen lauteren Geräusche waren unserer Schritte, unter denen das Laub raschelte. Durch bewachsene Felsen folgten wir dem Steig zum Steinberg. Bis dahin folgte der ein um andere märchenhafte Fels. Sugar freute sich und kraxelte über Felsen wie ein junger Welpe. Dabei vergaß sie offensichtlich, dass sie elf Jahre ist, und normalerweise nicht so fit. Auch der Hund hatte sich von der Stimmung anstecken lassen.

Der Steinberg – eine Kletteroase

Über einen felsigen Kamm erreichten wir die Nordabstürze des Steinbergs. Zerklüftete Felsen und Türmchen säumten unseren Weg, wild bewachsen mit Efeu, Moos und Farnen. Die Vögel zwitscherten im Dach des Waldes. Das rhythmische Laubrascheln unserer Schritte begleite uns über das Gipfelplateau des Steinbergs und wieder über eine Rinne hinunter. Entlang der Felskette und über eine Holztreppe trafen wir auf die neue Markierung. Hier entschieden wir uns der Markierung mit dem roten Ring auf weißem Grund zu folgen, denn wir wollten den Kühloch noch einen Besuch abstatten. In der märchenhaften Landschaft tauchten einige Picknickplätze auf. Plötzlich durchschnitten Rufe die Stille: „Zu! Ab!“ Hier waren also irgendwo Kletterer am Werk. Nach der nächsten Ecke trafen wir auf die Verursacher der Geräusche. An herrlichen Wänden und Überhängen tummelten sich an diesem warmen Frühlingstags viele Kletterer und freuten sich, nach dem Winter den staubigen Kletterhallen entfliehen zu können. Ganze Familien waren dort zugange, die Kinder größtenteils auf Picknickdecken geparkt. Leuchtende Kinderaugen bewunderten ihre Eltern in der Wand. Andere Kinder versuchten, gesichert von Mama oder Papa, ihr Glück am Fels.

Treppe an den Steinbergwänden

Da der Steinberg ein großes Felsmassiv bietet, sind dort auch Routen in fast jedem gängigen Schwierigkeitsgrad zu finden. Bei 3+ UIAA beginnend, und eher für die Kleinen und Anfänger geeignet, können sich auch Genuss- und sportlich ambitionierte Kletterer in Routen im mittleren bis hohen Schwierigkeitsgrad (bis 10+ UIAA) austoben.

Felsenkamm an den Steinbergwänden
Picknickplätze an den Wänden

Heute waren wir nicht zum Klettern dort, aber wir merkten uns das Gebiet, denn es sah sehr lohnenswert für einen weiteren Besuch aus. Nach dem wir das bunte Treiben etwas beobachtet hatten, ging es Flux weiter. Die Rotring-Markierung wies uns den Weg in eine kleine Spalte zwischen den Kletterfelsen. Wir schlängelten uns zwischen den Seilschaften hindurch. Die Spalte führte leichte bergauf und nach einigen Metern betraten wir die Rückseite der Felsformation. Die Rufe der Kletterer und die Kinder waren nur noch entfernt zu hören, Vögel zwitscherten nun wieder lauter und die Insekten summten fröhlich in den bewachsenen Felsen. Es herrschte wieder die ruhige Märchenwaldstimmung.

Der Spalte zwischen den Felsen

Zum Kühloch

Weiter ging’s Richtung Kühloch. Immer bergab entfernten wir uns vom märchenhaften Steinberg. Es lag nur noch der Wald um uns herum. Wir passierten eine kleine Unterstandshütte mit Feuerstelle und stiegen steil zur Kuppe des Kühlochbergs auf. Der Weg führte direkt zum Eingang des Kühlochs. Das Kühloch ist eine steinzeitlich Wohnhöhle, die zu den ältesten Siedlungsplätzen der Oberpfalz gehört. Eine kleinen Feuerstelle in der Höhle schien regelmäßig genutzt zu werden. Innen fanden sich leider keine Tropfsteinformationen, allerdings war die Größe der Haupthöhle durchaus beeindruckend.

Der Unterstand im Wald
Das Kühloch

Kapelle Breitenstein & Breitensteiner Felsengarten

Nach Besichtigung der Höhle gelangten wir wieder zurück auf den Felsensteig mit der Blaustrick-Markierung. Es führte uns wieder zurück zu den Steinbergwänden und erneut durch die Spalte zu den Kletterern. Von dort setzten wir unseren Weg Richtung Breitenstein weiter. Wiederum dünnten sich die Märchenfelsen aus, sodass wir durch den Wald wanderten, den wir auch bald verließen. Auf einer Forststraße näherten wir uns Breitenstein. Die Breitensteiner Kapelle thronte auf einem Felssockel und wies uns den Weg.  Die im 12. Jahrhundert erbaute Kapelle gehörte einst zur Burg Breitenstein und ist die einzig erhaltene zweigeschossige Doppelkapelle der Oberpfalz aus der Romanik. Vorbei an der imposanten Kapelle setzten wir unseren Rückweg nach Königstein fort.

Breitenstein
Kapelle Breitenstein

Zurück im Wald gelangten wir zum Breitensteiner Felsengarten. Bizarre kleine Türmchen, mehr oder minder bewachsen, säumten unseren Weg. Sehr hübsch anzusehen, die typische Märchenwaldstimmung vermochten sie aber nicht zu vermitteln.

Breitensteiner Felsengarten

Johanneskapelle

Der Endspurt der Wanderung hatte begonnen. Doch bevor wir zurück nach Königstein kamen, besuchten wir noch die Johanneskapelle. Steil bergauf auf den Kühberg, oberhalb von Königstein, führte uns der Pfad. Wir durchquerten eine idyllische Felsengasse mit ungewöhnlichen Gestein bevor wir auf den Gipfel und so zur Johanneskapelle gelangten. Nach Norden bot sich ein weiter Blick über das Tal. Ein kleiner Picknickplatz direkt neben der Kapelle lud zum Verweilen ein, aber wir mussten weiter. Schließlich hatten wir heute noch etwas vor.

Johanneskapelle

Die letzten Meter durchquerten wir Königstein und gelangten zurück an unseren Ausgangspunkt, den Wanderparktplatz am Ortsrand.

Treppe an den Steinbergwänden

Fazit zur Wanderung auf den Felsensteig bei Königstein:

Der Felsensteig bei Königstein führt durch eine märchenhafte Felslandschaft, welche sich mitten im Wald versteckt. Die Atmosphäre ist einzigartig und lädt zum Genießen der Stimmung ein. Mit einer Gehzeit von circa 3,5 Stunden eignet sich die Tour gut als Halbtagesausflug.

Für die Kletterfreunde bietet das Gebiet schöne Routen am Teufelsstuhl (2+ bis 8 UIAA) und den Steinbergwänden (3+ bis 10+ UIAA). Einkehrmöglichkeiten gibt es in Königstein und der Kapellenschenke in Breitenstein.

Daten & Fakten:

  • Gehzeit: circa 3,5 Stunden
  • Länge: 10,4 km
  • Höhenmeter: 408 hm
  • GPS-Track: Bergfex

 

 

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