E5 Etappe 6: Martin-Busch-Hütte – Vernagt (Meran) 

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Der sechste und letzte Tag unserer Alpenüberquerung begann mit einem wunderschönen Morgen. Kein Wölkchen am Himmel, hinter dem sich die Sonne verstecken könnte. Allerdings wurde unsere Freude von der Wettervorhersage in der Hütte gedämpft, denn am Mittag sollte es zuziehen und zu regnen beginnen. Na toll…

Der letzte Morgen in der Martin-Busch-Hütte

Zum Glück war unsere Nacht ruhig gewesen, in unserem Viererzimmer. Der vierte Mitbewohner, aus einer geführten DAV-Gruppe war von der netten und vorallem ruhigem Sorte. Auch er musste am Vortag als Gepäckstück im Kofferraum eines Shuttlebus durch Rosi-Mittermaier-Tunnel reisen.

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Auch heute konnten wir erst wieder nach 7 Uhr frühstücken. Irgendwie wurden die Frühstückszeiten mit jeder Hütte auf unserer Alpenüberquerung später. Erst 6 Uhr in der Kemptner Hütte und nun 7.30 Uhr im Martin-Busch-Haus. Schon seltsam… Wir erschienen pünktlich zum Frühstück, da wir die Hoffnung hegten, dass mit einem frühen Aufbruch noch ein Abstecher zur Ötzi-Fundstelle möglich sein würde bevor das Schlechtwetter aufziehen würde. Und laut in der Hütte ausliegendem Wetterbericht sollten die nächsten Tage weiterhin regnerisch bleiben. So verwarfen wir unseren Plan, doch noch die letzten beiden Etappen des Meraner Höhenwegs dranzuhängen, um direkt bis nach Meran zu laufen. So machte sich beim Essen dann doch Wehmut breit. Dies war nun der letzte Tag unserer Alpenüberquerung, der letzte Tag Wandern, das letzte Mal den Rucksack schultern. Schon irgendwie komisch…. und das Essen verlief daraufhin sehr schweigsam, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

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Martin-Busch-Hütte

Durchquerung des Niederjochtals

Gestärkt für den Endspurt warfen wir uns die Rucksäcke auf die Rücken und starteten zum letzten Mal auf dem E5. Erstmal führte uns der Weg bei strahlendem Sonnenschein von der Hütte in das karge Niederjochtal gen Similaun-Hütte. Die eh schon spärlich Vegetation wurde immer weniger und machte schließlich gänzlich einen geröllig felsigen Landschaft platz. Durch die rötliche Färbung des Gesteins konnten wir uns dem Eindruck nicht verwehren, in einer Marslandschaft unterwegs zu sein. Einzig die immer wieder plätschernden Rinnsale vom Niederjochferner unterhalb des Similauns vermittelten einen Hauch von Leben. Gemütlich ging es leicht bergauf, immer die Similaun-Hütte im Blick. Der einzige Zeuge von menschlicher Zivilisation an diesem Morgen. Die Martin-Busch-Hütte hatten wir schon noch einigen Gehminuten aus den Augen verloren.

 

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Beginn des Niederjochtals.

 

Kurz unterhalb des Niederjochs erblickten wir rechter Hand einen kleinen Schmelzwassersee, ein Relikt des Gletschers, sowie linker Hand die Ausläufer des Niederjochferners. Im Juli war der Normalweg eisfrei, sodass wir den nun steiler werdenden Anstieg problemlos angehen konnten. Laut Literatur solle bei vergletscherten Verhältnissen dieses kurze Wegstück wegen dem gerölligen Gletscher kein spezielle Ausrüstung erfordern und könne notfalls umgangen werden. Nach dem kurzen steilen Stück erreichten wir nach circa 1,5 Stunden das Niederjoch mit der Similaun-Hütte auf 3.019 m.

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Marslandschaft
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Niederjochferner

Die Similaunhütte

Wir legten eine kurze Pause ein um die Aussicht zu genießen. Über dem Gipfel des Similaun (3.606 m) zogen schon dunkle Wolken auf. Derweil hatte die erste Seilschaft das Gipfelkreuz erreicht, zwei weitere waren kurz unterhalb des Gipfelanstiegs. Die Wolken sahen vielversprechend nach Regen aus, sodass wir uns zügig an den Weiterweg machten.

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Similaun-Hütte

Wir umrundeten einmal die Similaun-Hütte und begannen am Wanderweg unterhalb der Materialseilbahn mit dem über 1000 Höhenmeter langen Abstieg. Steil führte uns der Weg zunächst über Stufen und kurze drahtseilversicherte Abschnitte bergab. Immer wieder reckten sich neben uns größere Felszacken gen Himmel, teils krönte sogar ein Gipfelkreuz deren Haupt.

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Abstieg nach Vernagt

Der steile Weg flachte sich langsam ab und der Vernagter Stausee mit dem Tisental dominierte den Fernblick. Wir wanderten weiter durch ein großes Geröllfeld. Nach einer Weile wurde das karge Geröll von immer mehr Wiesenflecken durchbrochen. Auf den Wiesen passierten wir immer wieder kleine Bäche und schlammige Wegstücke. Langsam begann der ein oder andere Baum dem Gras Gesellschaft zu leisten. Das letzte Stück des Weges führte uns durch Wald und über Kuhweiden.

 

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Tisental und Stausee Vernagt.

 

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Oberhalb von Vernagt trafen wir in der Jausenstation Tisenhof ein. Die Mittagszeit war angebrochen und die Mägen knurrten, sodass wir uns zur letzten Mittagspause auf unserer Alpenüberquerung niederliesen. Neben uns trudelten nach und nach die einzelnen Teilnehmer einer Bergschule ein, welche von den jeweiligen Vorgängern lautstark mit Laolawelle begrüsst wurden. Man gratulierte sich gegenseitig zur tollen Leistung. Für mich war das immer noch unwirklich. Kurz nach dem Essen sollte es vorbei sein. 6 Tage wandern, 6 Tage Rucksack tragen. Jeden Tag ein anderes Tal, eine andere Landschaft. Die Ruhe beim Gehen, der Trubel in den täglich wechselten Hütten. Sonne, Wind und Regen. Wir hatten gelacht, wir hatten Muskelkater, Rückenschmerzen oder eine Erkältung, aber wir wanderten einfach weiter. Meinen beiden Mitstreitern erging es ähnlich, sodass es erneut ein recht ruhiges Essen wurde. Die Bergschule nebenan wies dagegen Ballermann-Stimmung auf.

 

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Jausenstation Tisenhof

 

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Geflickte Schnürsenkel
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Stausee Vernagt

Nach dem Essen nahmen wir die letzten Meter Abstieg nach Vernagt in Angriff. Über eine Wiese ging es ins Ortszentrum. Nach kurzer Wartezeit auf den Bus, welche wir im windstillen Bushäuschen verbrachten, bestiegen wir den Linienbus, der uns in circa 1,5 Stunden nach Meran brachte. Kurz nach der Abfahrt öffnete der Himmel seine Schleusen.

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Daten & Fakten:

  • Strecke: 11,44 km
  • Dauer: 4:57 h Gehzeit
  • Aufstieg: 525 m
  • Abstieg: 1.320 m
  • Höhendifferenz: 1.711 – 3.019 m
  • Video auf unserem YouTube-Kanal

Kosten Etappe 6: 

  • Bus nach Meran: 5€ pro Person
  • IC nach München: 206,70€ für 3 Personen

 

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Endstation Meran

 

 

 

 

5 Kommentare auch kommentieren

  1. Herzliche Gratulation zu eurem erfolgreichen Vorhaben. Es hat geklappt und ihr habt euer Ziel erreicht ! Ein einmaliges Erlebnis ist zu Ende gegangen ! Toll und hat auch für mich Spaß gemacht zu folgen ! Manni

    1. miiiep sagt:

      Dankeschön! Es war wirklich eine einmalige Erfahrung und wirklich viel Spaß gemacht. Leider haben wir nicht viele Leute kennengelernt, denn die bergschulgruppen bleiben in dem meisten Fällen unter sich. Dennoch eine absolut zu empfehlende Tour!

      1. Spass ! Nur das zählt 👍👍👍

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