Elba: Wanderung zum Leuchtturm am Capo di Poro

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Den meisten dürfte die Insel Elba noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt sein, denn dorthin wurde Napoleon verbannt. Die Mittelmeerinsel bietet allerdings weitaus mehr als nur geschichtliche Highlights. Neben herrlichen Badestränden und der berühmten Dolce Vita locken viele Mountainbike-Trails und Wanderwege sportlich ambitionierte Besucher auf das Eiland. Über der Stadt Marina di Campo thront ein kleiner Leuchtturm, der schon von Weitem sichtbar ist. Dahin verschlug uns eine unserer Touren.

Marina di Campo

Startpunkt war, wie sollte es in diesem Urlaub auch anders sein, unser Campingplatz in Marina di Campo. Noch war das Wetter etwas bewölkt und drückend während wir die ersten Meter über den feinen Sand am Meeresufer zurücklegten. Immer schön am Wasser und an der längsten Strandpromenade der Insel entlang bis wir die „Innenstadt“ erreichen würden. Badegäste trafen wir an diesem Tag nur wenige an, die meisten flanierten eher an der Promenade.

Uferpromenade
Marina di Campo

Nach circa 20 Minuten erreichten wir das alte Fischerdorf, dessen Hafen heutzutage von kleinen Sportbooten besiedelt ist. Einige Rentnergruppen betätigten fleißig die Auslöser ihrer Fotoapparate oder folgten einem Guide, der fröhlich einen Schirm oder Ähnliches als Erkennungsmerkmal gen Himmel reckte.

Der Hafen von Marina di Campo

Kurz vor dem mittelalterlichen Wehrturm bogen wir von der Piazza Teseo Tessei nach rechts ab und passierten einen kleinen Platz. Der Platz wurde dominiert von einem großen Hotel der Oberklasse und einem kleinen Wasserspielbrunnen für Kinder. Direkt hinter dem Platz begannen die ersten treppenförmigen Trassen, welche so typisch für Italien sind. Bald ließen wir das Dörfchen hinter uns und folgten dem Weg Nr. 138, der schnell durch einen kleinen Dschungel führte. Zumindest kam mir der Bewuchs so vor, denn er war so dicht, dass dahinter kaum etwas zu erkennen war. Das ein um andere Mal zweigten kleinere Trampelpfade vom Hauptweg ab, die im Nichts zwischen den Pflanzen zu verschwinden schienen. Aber immer  weiter gerade aus, sonst würde da ja ein Schild stehen.  Hin und wieder trafen wir auf eine Markierung, die uns mitteilte, dass wir nicht auf dem Holzweg waren.

Durch den Urwald auf Elba

So ging es den ein um anderen Schritt durch den Urwald von Elba. Die Vögel zwitscherten, das Laub wiegte sacht im Wind und jede Bewegung war vom salzigen Meeresgeruch begleitet. Des Öfteren lichtete sich das Blätterdach und gab den Blick auf das Mittelmeer frei.

Bald jedoch tauchten wir wieder ab ins dichte Blätterdach. Wir passierten eine kleine verlassene Betonhütte, welche ihren Verfall im Dickicht des Waldes versteckte. Die Außenwand zierte ein grüner Elch, der auf Wanderer einen wachsamen Blick warf.

Lost Place versteckt im Wald

Der Weg führte uns abermals ein langes Stück durchs Grün, nur diesmal begann langsam die Steigung. Schritt um Schritt wanderten wir bergauf bis wir aus dem Blätterdach herausbrachen.  Die Wolken am Himmel waren in der Zwischenzeit der gleißenden Sonne gewichen und augenblicklich brach uns der Schweiß aus.

Der Leuchtturm Capo di Poro

Das letzte Stück führte uns durch kniehohe Sträucher, die die Schienbeine ordentlich zerkratzen. Ein Lichtblick, das Ziel war schon in Sicht: der Leuchtturm Capo di Poro. Das kleine strahlendweiße Bauwerk hob sich stark von der grünen Landschaft und dem tiefblauen Meer ab.

Ziel in Sicht

In direkter Nachbarschaft zum Türmchen wohnte ein dem Zerfall preis gegebenes Wohnhaus, das auch von dem Graffiti des grünen Elchmonsters im Inneren bewacht wurde. Leider waren wir nicht wie ersten Besucher an diesen Tag, denn eine Familie mit Kleinkind und ein Pärchen halbnackter Rentner hatten sich am Fuße des Leuchtturm häuslich eingerichtet.

„Naja, gucken wir mal, was es an den alten Wehranlagen aus dem Weltkrieg noch zu sehen gibt“, dachten wir uns. Gesagt, getan. Einige Meter hinter dem Turm in Richtung Klippe öffneten sich große Löcher, die mit Betonringen verstärkt waren. Die 1,5 Meter bis zu deren Boden überwanden wir bequem über alte Stufen. „Ui, eine Tür, schnell mal gucken wohin es da geht“, so Stefan. Nach der ersten Ecke in dem alten Bunker umhüllte uns Dunkelheit. Die Handytaschenlampe leistete gute Dienste und wir entdeckten eine große alte Vorratskammer mit einem betonierten Regal. Oder für was auch immer dieser Raum gedient hatte. Der Boden war übersät von alten Mauerresten, Resten der Einrichtung, Zweigen und Ästen, die anscheinend der Wind hereingetragen hatte. „Schön auf jeden Schritt achten!“, durchzuckte mich ein Gedanke.

Die alte Wehranlage aus dem Weltkrieg

Ein Stück weiter durchbrach ein Sonnenstrahl das Dunkel. Bei näherer Betrachtung, zeigte sich ein Schacht in die Oberfläche. Zum Großteil von der Flora überwuchert und mit abgebrochenen Stahlspangen war es leider nicht mehr möglich darüber ins Freie zu gelangen. Hieß für uns, zurück durch die Vorratskammer.

Als wir wieder das Tageslicht erblickten, stellten wir erfreut fest, dass die Besatzer den Leuchtturm aufgegeben hatten. Es stand einer ausgiebigen Foto- und Drohnensession nun Nichts mehr im Weg.

Der Leuchtturm am Capo di Poro

Abstieg mit Meerblick

Um nicht auf dem gleichen Pfad wieder abzusteigen, entschieden wir uns nach dem zerfallenden Wohnhaus nach rechts abzubiegen. Über Stock und Stein führte uns ein schmaler Pfad durch die hüfthohen Hartlaubgewächse. Begleitet wurde unser Weg von einem herrlichen Meerblick.

Wie der Pfad breiter wurde, nahmen im gleichen Maß die Bäume zu. Diese versperrten kurzzeitig den Ausblick, was aber nur von kurzer Dauer sein würde. Als bald zweigten wir abermals auf einen schmalen Pfad ab, der direkt oberhalb der Klippen entlang lief und direkten Blick auf Marina die Campo bot.

Meerblick Deluxe

Zügig erreichten wir das Wasser. Nun wurde es spannend, denn ein richtiger Weg war nicht mehr erkennbar. Musste aber irgendwie da lang gehen, da entweder Zäune den Weiterweg versperrten oder es war dort Wasser. Es blieb nur das Balancieren auf dem relativ breiten Sims des Zaunes, auf dem wir eine Wegmarkierung entdeckten. Es wechselten auch mal die Grundstücksgrenzen, sodass wir etwas zum nächsten Mauervorsprung abklettern oder zu einer Zufahrtsrampe zum Strand hinaufkraxeln mussten. Einen halben Meter unter uns schwappten die Wellen leise säuselnd an die Mauer.

Ein kurzes Stück über den Strand und eine kleine Treppe hinauf und wir standen auf einer Schotterstraße, die zum Ferienressort führte, an dessen Zaun wir gerade noch entlang gelaufen waren. Klein und schnuckelig zierte eine Kapelle dem Weg.

Gemütlich wanderten wir bergauf und trafen wieder auf unseren Zustiegspfad. Über den gleichen Weg gelangten wir zurück zum Campingplatz.

Fazit zur Wanderung zum Leuchtturm am Capo di Poro:

Abwechslungsreiche Halbtagswanderung zum kleinen Leuchtturm über Marina di Campo, bei der man neben dem Turm noch das ehemalige Fischerdörfchen und ein paar Lost Places zu sehen bekommt. Die Wege sind angenehm zu laufen und deren Beschaffenheit entspricht einem Waldpfad im Mittelgebirge. Vor Schrammen und Kratzern aufgrund der Büsche sollte man sich nicht fürchten. Der Ausblick am Turm aufs Meer und dem Monte Capane ist grandios. Zum Abschluss gibt’s dann noch ein Eis in Marina di Campo.

Daten & Fakten:

3 Kommentare auch kommentieren

  1. Martina sagt:

    Schöööön! Bei mir ist Elba schon ein paar Jährchen her, wir haben uns vor allem an’s Mountainbiken und Tauchen gehalten und dabei auch tolle Spots entdeckt. Echt eine schöne Insel, wie eure Fotos wieder beweisen 🙂
    Lg Martina

  2. Tanja sagt:

    Diese Wanderung sieht aber wirklich sehr einladend aus. Vielen Dank für diesen detaillierten Bericht. Meinst du, diese Wanderung wäre auch mit Kindern zu wandern möglich?

    Viele Grüße,
    Tanja

    1. miiiep sagt:

      Hallo Tanja,

      Die Wanderung ist nicht schwierig und auch nicht sehr lang. Wenn die Kinder schon größer sind, dürfte das kein Problem sein. Evtl kannst du ja noch die Badesachen für den Rückweg einpacken.

      Viele Grüße,
      Astrid

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