Frühlingswanderung auf den Grünten

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Das Leid der Schichtler: was soviel bedeutet wie arbeiten zu müssen, wenn andere frei haben. So auch dieses Ostern. Die einzigen freien Tage waren der Karfreitag und der Ostersonntag. Ostersonntag wollten die Mamas besucht werden, womit uns nur der Karfreitag für eine Tour übrig blieb.

Der Winter 2017/18 hatte sehr viel Schnee gebracht und Ostern fiel diesmal früh ins Jahr. Ideale Bedingungen für eine schöne Frühjahrsskitour, so dachten wir. Allerdings zeigte sich der Wettergott unseren Plänen nich wohlgesonnen und es begann in der Woche vor den Feiertagen zu tauen. Die Hoffnung im Allgäu noch genug Schnee vorzufinden, wurde am Morgen des Karfreitag jäh zerschlagen als wir aus dem Fenster guckten. Hänge, welche am Vorabend noch schneebedeckt waren, zeigten jetzt ihr grasiges Antlitz.

Was denn nun machen, wenn wir schon extra nach Sonthofen gefahren waren?! Entweder noch ein (ganzes) Stück in den Alpenhauptkamm fahren, und dabei einer hohe Lawinenstufe aussetzten und trotzdem die ersten Höhenmeter laufen zu müssen?! Der Schnee würde weich und brüchig sein, da würde Sugar schnell streiken. Unter diesen Bedingungen verging uns die Lust auf eine Skitour komplett.

Planänderung

Zum Glück packt der Outdoor-erfahrene Blogger immer seine Wanderschuhe und die Grödel mit ein. Der Grünten bei Sonthofen ragte direkt vor unserem Wohnmobil in den Himmel und drängte sich mit seinen fast gänzlich schneefreien Hängen schier auf. So kam es, dass wir das Wohnmobil auf den Parkplatz bei Winkel parkten. Es hätte dort sogar Toiletten gegeben, diese sind allerdings in Wintermonaten geschlossen und erst wieder ab Mai geöffnet.

Die sieben Sachen und den Hund zusammengepackt, und schon machten wir uns auf den Weg. Die Brücke über den Starzlach direkt hinter dem Parkplatz brachte uns auf den Wanderweg zur Starzlachklamm. Diese war aber leider noch geschlossen, sodass wir ein kurzes Stück oberhalb des Baches entlang liefen bis wir auf einen kleinen vermeintlichen Steig trafen. Leider stellte sich nach einigen Höhenmetern heraus, dass das gar kein Steig war sondern ein kleines Bachbett. Erstmal Karte rauskramen und gucken. Ok, wenn wir uns nach schräg oben links halten, würden wir zurück auf den Nothaldeweg gelangen. Also, weiter querfeldein.

Frühling am Grünten

Das Gras war zum großen Teil noch braun, so frisch nach dem Winter. An einigen Stellen schimmerte aber schon etwas grün zwischen den Halmen hervor. Daneben plätscherten viele kleine Bäche, deren Lebensspanne auf die Zeit der Schneeschmelze begrenzt sein würde. Hin und wieder hatte ein kleines Altschneefeld im Schatten einiger Bäume überlebt.

Zurück auf dem Nothaldeweg

Unterhalb einer Kletterwand gelangte wir zurück auf den Weg. Ein vereinzelter Freesolo-Kletterer genoss den warmen südseitigen Fels. Noch ein paar Schritte und wir waren zurück auf Nothaldeweg. Der Weg war relativ breit, aber einige Stellen waren von den umherliegenden Bäumen des Schneebruchs noch nicht gesäubert. So kletterten wir an der ein oder anderen Stelle über Äste oder einen Stamm.

Der Nothaldeweg

Alpenblick Deluxe

Bald darauf traf der Nothaldeweg wieder auf die Straße, der wir weiter folgten, vorbei am Gasthof Alpenblick. Dieser machte seinen Namen alle Ehre, denn es bot sich das umwerfende Panorama des Alpenhauptkamms. Die noch schneebedeckten Gipfel glitzerten in der gleisenden Sonne.

Vorbei am Gasthaus Alpenblick
Herrlicher Ausblick auf den Alpenhauptkamm

Der Weg zweigte nach links ab und wir folgten dem Höfleweg Richtung Kehralpe. Auch diese Alpe war noch geschlossen, sodass wir unseren Weg auf dem Schotterweg fortsetzten. Wieder im schattigen Wald angelangt, bedeckten immer ausgedehntere Altschneefelder den Boden.  Durch ziemlich weichen Schnee aufsteigend und manchmal auch wieder nach unten rutschend bahnten wir uns unseren Weg bis zur Oberen Schwandalpe auf 1.330 Meter. Unsere alte Hundedame hatte sich die letzten Meter schon schwer getan, weil sie mit den Pfoten immer wieder im Schnee eingebrochen war. So legten wir eine kleine Pause an der Alpe ein und genossen den herrlichen Bergblick.

Vorbei an der Kehralpe
Der Schnee mehrt sich
Obere Schwandaple 1.330m

Schnee, Schnee, Schnee …. 

Das letzte Stück Weg führte nun kontinuierlich durch den Schnee, welcher teilweise bis wadentief war. Bald zogen wir die Grödel über unsere Schuhe um nicht bei jeden Schritt erneut ein Stück gen Tal zu rutschen. Wir passierten die Stuhlwand. Ein vom Tal gesehen richtig steiler Fels, der an seiner Rückseite sanft in den Gipfelhang des Grünten überging. Sozusagen ein Bescheisserle-Fels. Die letzten Meter über den Grat zur Bergstation der Grüntenbahn schnaufte unsere Sugar schon ziemlich arg. Mit ihren elf Jahren nicht mehr die Jüngste, hatte ihr der Aufstieg durch die Schneefelder doch ziemlich zu gesetzt. Deswegen war auch an der Bahn Schluss. Der Hund weigerte sich standhaft die letzten Meter zum eigentlichen Grüntengipfel, dem Jägerdenkmal, noch zurückzulegen. Nur schnell wieder runter von dem Berg.

Die letzten Meter zur Bergstation der Grüntenbahn

Wir folgten dem Bestreben unseres Hundes und begannen nach den obligatorischen „Gipfelfotos“, diesmal eher Bergstationsfotos, mit Abstieg Richtung Grüntenhaus (1.535m). Die letzten Meter konnte man fast zur Hütte schlittern, denn es waren diese Tage schon viele Besucher auf den Berg gestiegen. Die Spur war ausgetreten und glatt. Im Grüntenhaus legten wir erstmal eine ausgiebige und verspätete Mittagspaus ein. Während wir gemütlich Käsepätzle mit alkoholfreien Weizen verspeisten, durfte sich die gute Sugar ausgiebig erholen. Der größte Teil des Abstiegs stand der alten Hundedame nämlich noch bevor.

Die Bergstation der Grüntenbahn
Blick ins frühlingshafte Tal

Unser Rückweg führte uns vorbei an der Weiheralpe. Mit jedem Meter, dem wir uns dem Tal näherten, dünnte sich die Schneedecke mehr aus. Aus durchgehenden Schnee wurden vereinzelte Schneefelder, bis dieser ganz vom Weg verschwand. Gleichzeitig tat sich die alte Hündin mit jedem Schritt leichter. Kurz nach der Weiheralpe trafen wir wieder auf die Straße zum Gasthaus Alpenblick. Wir wollten eigentlich nach einigen Metern Aufstieg wieder über den Nothaldeweg absteigen. Dieser stellte sich aber urplötzlich als gesperrt heraus. Am Morgen war dort noch kein Schild gehangen.

Das Grüntenhaus

Es blieb uns nicht anderes übrig als der Straße wieder bergab zu folgen und den Umweg über Burgberg im Allgäu zu nehmen. Statt 30 Minuten brauchten wir nun über eine Stunde zurück zum Parkplatz. Schlussendlich war Sugar ziemlich platt und wir nach dem langen Asphaltstrecken auch sehr froh am Wohnmobil angekommen zu sein.

Fazit zur Wanderung auf den Grünten:

Frühjahrswanderungen sind schon toll. Im Tal hält der Frühling schon Einzug, während oben am Berg noch die Altschneefelder dominieren. Meistens ist aber nicht mehr genug zum Skitouren, wie es auch bei dieser Wanderung der Fall gewesen ist. Die Wanderung selbst ist, wenn nicht Altschneefelder den Aufstieg erschweren, eine mittlere Bergwanderung. Ab dem Gasthaus Alpenblick wird man fast stetig vom umwerfenden Ausblick auf dem Alpenhauptkamm begleitet. Im Sommer bieten sich genügend Gelegenheiten zur Einkehr. Dagegen stellen im Frühjahr nur das Gasthaus Alpenblick und das Grüntenhaus Pausengelegenheiten dar. Während unseres Besuchs war der von unser gewählte Weg auch nicht sehr überlaufen von Wanderern.

Daten & Fakten: 

Wanderung auf den Grünten

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Der Grünten

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