Kletteroase in Thakhek – das Green Climbers Home

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Laos – das „kleine“ Land zwischen Thailand und Vietnam. Eines der ärmsten Länder der Welt, auch wenn langsam der Tourismus zunimmt. Die Anreise ist stellenweise etwas abenteuerlich, was vielleicht nur an dem alten internationalen Bus mit den rosa Troddelvorhängen liegt. Von Nakhon Phanom an der thailändisch-laotischen Grenze bringt uns das Gefährt, mit einem kurzen Abstecher über eine „Autowerkstatt“, über den Mekong nach Thakhek. Am Busterminal in Thakhek herrscht reges Treiben. Viele Busse, Taxis und TukTuks wie auch Einheimische auf dem kleinen Allerleimarkt tummeln sich dort. Sofort nach dem Aussteigen werden wir belagert: TukTuk, Taxi, Hello, Hello. Wir entscheiden, uns ein Taxi mit einem Amerikaner zu teilen, denn wir haben alle drei das gleiche Ziel – das Green Climbers Home. Dies liegt circa 12 km entfernt von Thakhek in den Bergen versteckt. Auf der Fahrt erfahren wir, dass der Amerikaner irgendwie mehr thailändische Klettergebiete als welche im eigenen Land kennt. Obwohl er von der Westküste stammt, hört er das erste Mal von uns, dass man im Yosemite Nationalpark klettern kann.

Der Weg zum Green Climbers Home

Unser Taxi passiert die laotischen Marktstände in Thakhek. Stand kann man die vier Pfosten mit einem Bretterboden und in der Luxusvariante mit Sonnensegel darüber, nur schwerlich nennen. Die Stände und Häuschen werden spärlicher, wir verlassen Thakhek. Es zieht eine flache Landschaft mit vielen Reisfeldern und vereinzelten Holzhütten am Fenster vorüber. So stellt man sich ja als gemeiner Tourist Thailand vor. Am Horizont zeichnen sich die Berge des Phou Hi Poun Nationalparks ab an denen sich dunklere Wolken türmen. Dort liegt unser Ziel. Langsam wechselt das Bild vor dem Fenster. Die Reisfelder werden spärlicher, der Urwald nimmt zu. Die ersten Berge kommen zwischen dem Grün zum Vorschein, sind aber selbst komplett bewachsen. Hin und wieder säumt ein Müllberg die Strasse. Plötzlich biegt der Taxifahrer nach rechts auf einen festgetretenen Pfad ab. Viele Schlaglöcher rütteln uns ganz schön durch während wir erst den noch im Aufbau befindlichen Mr.Leng‘s Shop & Bycicle Rental, in dem fleißig Holz bearbeitet wird, passieren. Wir fahren weiter hinein in den Kessel zwischen den Bergen mit dem vielen Grün. Rechts und links erheben sich die Wände des Klettergebiets Pha Tham Kham. Links taucht das Camp 2 des Green Climbers Home auf. Ein kleines Pfahlbautendorf, in dem viele kleine Bungalows kreisförmig um einen großen Pfahlbau angeordnet sind. Wir müssen allerdings ins Camp 1 und so werden wir noch einige Meter durchgerüttelt bis unser Taxifahrer stoppt um ein Tor zu öffnen. Dahinter liegt, direkt unterhalb der Wände nochmals ein kleines Pfahlbautendorf, das Camp 1. Wir staunen nicht schlecht über das Dörfchen im Schatten der Kletterwände. So muss ich Leonardo DiCabrio gefühlt haben als er das erste Mal „The Beach“ erblickte.

Wir begeben uns zur großen Hütte in der Mitte, welche das Restaurant und die Bar enthält. Erstmal Schuhe ausziehen bevor wir mit den großen Rucksäcken die Stufen nach oben erklimmen. An der Bar werden wir auf Englisch sehr freundlich empfangen. Es wird uns der ganze Ablauf im Camp erklärt, Essenszeiten und vieles mehr. Wir tragen uns brav in die Liste für die Climbing Fee ein. Diese Gebühr beträgt 20.000 KIP (circa 2€), wird vom Staat erhoben und muss pro Person einmal in der Saison gezahlt werden. Das Geld wird wieder rum auf den Landbesitzer, das Tourismusbüro und die umliegenden Dörfer für Schulen, Tempel und Kindergärten verteilt. Bis 2005 musste man sogar vorab beim Staat noch ein Permit beantragen um in Laos überhaupt klettern zu dürfen. Das ist zum Glück mittlerweile abgeschafft, wozu auch deutsche Kletterer mit beigetragen hatten.

Unser Bungalow für die nächsten 8 Tage ist ebenfalls ein Pfahlbau, direkt gegenüber vom Restaurant. Neben dem bequemen Doppelbett besitzen wir auch ein eigenes Bad. Klimaanlage gibt es keine, werden wir auch nicht brauchen, wie sich bald herausstellen wird. Der Ventilator, die offene Bauweise des Dachs wie auch die dünnen geflochtenen Wände schaffen eine herrliche Durchlüften. Auf der kleinen Terrasse des Bungalows schaukelt eine Hängematte im leichten Wind.

Das Klettergebiet

Nach dem Auspacken leisten wir uns noch den örtlichen Kletterführer für 130.000 KIP (circa 13€) und machen uns auf den Weg die ersten Routen zu besichtigen. Da es zu regnen anfängt, verzichten wir am Klettern und erkunden nur so die Zustiege zu den Wänden. Zustieg kann man das aber nicht wirklich nennen, zumindest nicht im klassischen Sinne. Die nähesten Sektoren sind circa 2 Gehminuten und die entlegensten Sektoren circa 30 Gehminuten vom Camp entfernt. Mittlerweile ist Pha Kham Tham mit über 360 Routen in den Schwierigkeitsgraden 4a bis 8c (Französische Skala) das größte Klettergebiet in Laos. Die Routen werden von den Besitzern des Camps, den Kölnern Tanja und Uli Weidner, gebohrt und gepflegt. Jedes Jahr entstehen nochmal 40-60 Routen, wobei die beiden für eine neue Route circa 6 Tage benötigen. Dennoch ist das Gebiet noch ein kleiner Geheimtipp und zumindest in den Monaten Oktober, November, April und Mai nicht sehr überlaufen. Wer mehr über die Routen erfahren will, kann das im Beitrag „Sleep-Eat-Climb-Repeat“  nachlesen.

Kletterer aus aller Welt kommen ins Green Climbers Home um an den Karstfelsen ihr Können zu beweisen oder zu verfeinern. Das Hauptklientel besteht allerdings aus Deutschen, Amerikanern, Franzosen, Engländern und Schweizern. Auch Kanadier, Koreaner, Japaner, Australier und Skandinavier statteten den Green Climbers Home schon einen Besuch ab. Auch bekannte Kletterer wie Volker Schöffl, Kurt Albert, James Pearson besuchten schon die Kletteroase im laotischen Dschungel. Volker Schöffl erschloss 2010 das Gebiet und bohrte mit 17 weiteren Kletterern die ersten 50 Routen ein. Selbst Kurt Albert verewigte sich in der Vergangenheit mit eigenen Routen an den laotischen Wänden (z.B. Mr. Methan im Sektor Methan).

 

Doch wie entstand die Kletteroase, die noch den schönen Untertitel „Living at the crag“ trägt? 

Zwei Deutsche in Laos

Die beiden Kölner Tanja und Uli Weidner planten 2010 eine Weltreise. Diese sollte aber nicht irgendeine Sightseeing-Reise sein. Nien, die beiden passionierten Kletterer wollten von Kletterspot zu Kletterspot reisen. In der Planungsphase erschien in der Zeitschrift „Klettern“ ein Bericht über Volker Schöffl und die Erschließung des Gebiets in der Nähe von Thakhek. Daraufhin setzte Uli sich mit Volker Schöffl in Verbindung, erfragte Details und Topos. So statteten Tanja und Uli Weidner dem Gebiet Pha Kham Tham einen Besuch ab. 10 Tage fuhren sie täglich mit dem Moped von Thakhek an die Felsen und schlugen sich durch den Dschungel zu Routen. Damals waren noch keine Wege angelegt und es hatte eher etwas abenteuerliches die Routen zu finden. Schrammen und Kratzer waren mit beinhaltet. Sie entdeckten auch den kleinen Fluss und die jetzige Badehöhle. Verliebt in das Gesamtpaket beschlossen der gelernte Schreiner und die Gastronomin spontan das Green Climbers Home zu bauen. Im Oktober 2011 eröffneten beide dann das Camp 1 des Green Climbers Home. Die Möbel baute Uli sogar selbst.

Tanja und Uli Weidner

Seither hat sich viel getan. Leider brannte das Camp1 zwischendurch zweimal ab, konnte aber mit Hilfe von Spenden von Kletterern aus aller Welt wieder in neuem Glanz erstrahlen. Im Oktober 2015 eröffnete das Camp 2. Derzeit finden maximal 120 Kletterer in den beiden Camps ihr Quartier. Die Auswahl an Schlafmöglichkeiten ist dabei vielfältig. Vom 2-Personen-Bungalow mit eigenem Bad über Schlafsaal bis zum Zelt mit gemeinschaftlicher Freiluftdusche ist alles vorhanden. Die meisten reservieren schon vorab ihre Unterkunft, dennoch gibt es immer wieder den ein oder anderen spontan vorbeischauenden Kletterer. In der Hochsaison im Dezember und Januar ist das Green Climbers Home regelmäßig ausgebucht. Durchschnittlich bleiben die Gäste 9 Nächte dort.

Wichtig ist den beiden Kölner der sanfte Tourismus. Es wird wert auf Mülltrennung gelegt. Auch die einheimischen Mitarbeiter werden hierauf geschult, denn Mülltrennung und Recycling gehören in Laos nicht zur Tagesordnung. Daneben wird im Camp versucht möglichst Müll zu vermeiden. Sein Wasser füllt man zum Beispiel selbst am Wasserspender nach und bei allen anderen Getränken werden möglichst Pfandflaschen verwendet. Der Strom stammt aus regenerativen Quellen. Daneben steht erstmal keine weitere Erweiterung des Camps zur Debatte, denn die Infrastruktur würde viel mehr Bewohner erstmal nicht aushalten. Eine Ausweitung wäre somit kein nachhaltiger Tourismus.

Ein Tag im Leben der Campbetreiber

Wir treffen Tanja und Uli jeden Morgen im Camp 1 am „Stammtisch“, an dem die beiden ihr Büro betreiben. Während wir bei einer Tasse Lao-Kaffee unsere leckeren Pancakes mit Schoko und Banane genießen, sind die beiden Kölner schon lange fleißig. Um 6:10 Uhr klingelt täglich der Wecker. Der Vormittag gehört meistens der Büroarbeit, den Einkäufen und der Buchhaltung. Aufgrund der schlechten Internetverbindung in Laos muss Tanja leider öfters mit dem Auto einige Kilometer in die echte Pampa fahren um Emails beantworten und Reservierungen bestätigen zu können. Zum Glück ist das Internetproblem seit Mitte Dezember behoben und diese Arbeiten werden vom bequemen Stammtisch aus erledigt. Nachmittags stehen dann bei Uli hauptsächlich Reparaturarbeiten auf dem Plan. Ob Durchlauferhitzer, Ventilator oder Fahrrad, es gibt immer etwas im Camp zu reparieren. Tanja managt zu dieser Zeit das Personal und die Zettelwirtschaft. Daneben richten die beiden auch noch regelmäßig neue Routen ein. Trotz der vielen Arbeit verlieren die beiden nicht den Spaß am Green Climbers Home und gönnen sich jeden zweiten bis dritten Nachmittag eine Auszeit zum Klettern.

Zum Schluss verrieten die beiden Kölner uns noch ihre Lieblingssektoren. Tanja favorisiert den Sektoren Roof, Wonderland und den Canyon. Beim Canyon sind sich beide einig, Uli mag aber auch den Sektor Zombieland sehr gerne.

Wir bedanken uns bei Tanja und Uli für das geduldige Beantworten unserer vielen Fragen. Der Aufenthalt im Green Climbers Home war einfach super! Wir kommen gerne wieder.

Wer noch mehr über das Klettern in Thakhek wissen möchte, der kann im Beitrag „Sleep-Eat-Climb-Repeat“ und auf unserem YouTube-Kanal einige Eindrücke über die Routen sammeln. Für schon geplante Reisen geben wir Tipps in unserer Packliste.

Buchen könnt ihr euren Aufenthalt im Green Climbers Home über deren Homepage.

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