Microadventure Franken: Der Eibgrat – mehr als Wandern

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Der Eibgrat – mehr als Wandern, aber dennoch kein ausgewachsener Klettersteig. Trotzdem bietet die Gratwanderung im oberfränkischen Spies unglaublichen Spaßfaktor und einige Kletterstellen im ersten und zweiten UIAA-Schwierigkeitsgrad vor einzigartiger Kulisse.

Microadventure Franken

Das Abenteuer Eibgrat begann für uns schon am Nachmittag zuvor als wir unsere E-MTBs mit den Satteltaschen beluden und in die Pedale traten. Unser Weg sollte uns gen Oberfranken führen, denn dort planten wir am darauffolgenden Tag den Eibgrat zu kraxeln. Von Fürth aus mussten wir das Knoblauchsland vor den Toren Nürnbergs durchqueren und kurz vor Kalchreuth einige Höhenmeter gut machen. Die Erhebung ist auch eine beliebte Trainingsstrecke bei den lokalen Rennradfahrern, denn sonst ist die Metropolregion recht flach. Trotz elektrischer Unterstützung kamen wir ganz schon ins Schwitzen und die Atemfrequenz erhöhte sich. Lag vielleicht auch dran, dass wir recht eitle E-Mountainbiker sind. Was heißt, mehr als die zweite Unterstützungsstufe (also Tour) kommt gar nicht in die Tüte. Sonst könnte man ja gleich mit dem Moped fahren und ein bisschen Trainingseffekt soll auch das gemütliche E-Bike noch schaffen.

Auf wurzeligen Waldwegen hoppten die Taschen am Gepäckträger während das Gezwitscher der Vögel im Wald jede Pedalumdrehung begleitete. Ein kurzer Abstecher führte uns nach Eckental um einen Freund einzusammeln, der uns die letzten Meter bis zum Übernachtungsplatz begleiten wollte. Leider musste er dann doch wieder heimfahren, weil der Schlafsack abhanden gekommen war. Die Nacht verbrachten wir an einem Waldrand in Osternohe, nachdem wir den Schloßberg als Endspurt hinauf gestrampelt waren. Die Sonne stand tief am Horizont und würde bald untergehen. Der Abend klang bei einem perfekten Sonnenuntergang mit einem wohlverdienten Radler aus.

Das Knoblauchsland bei Nürnberg
Langsam dämmerts
Dem Sonnentergang entgegen.

Die Hohe Reute bei Spies

Der Morgen brach an und wir packten nach einem kurzen Frühstück schnell unsere sieben Sachen. Einige Kilometer mussten wir noch bis zu unserem Ziel zurück legen. In Spieß angekommen, kochten wir uns erstmal einen Kaffee, während wir auf den Freund vom Vorabend warteten. Ein Kaffee, zwei Kaffee, drei Kaffee… in der Zwischenzeit füllte sich der Parkplatz zusehends. Viele Kletterer wollten an diesem herrlichen Feiertag ihr Können an der Hohen Reute beweisen, einer Wand mit circa 52 Kletterrouten im 4.-8. UIAA-Schwierigkeitsgrad. Ein kurzer Zustieg und eine gute Erreichbarkeit über die A9 macht den Felsriegel zu einem beliebten Ziel der Kletterer der Metropolregion, dementsprechend überlaufen ist er an schönen Abenden und Wochenenden.

Kurz nach Osternohe. Im Hintergrund die Burg Hohenstein
Tierische Wegelagerer

Endlich trudelte auch der Freund ein, denn er hatte verschlafen. Gut, alle vollständig, die Räder und das Gepäck im Gebüsch verstaut und schon konnte es losgehen.

Die Tanzlinde am Parkplatz in Spies

Der Eibgrat

Vorbei an der Tanzlinde, die den Parkplatz dominiert und von einer kleinen Waldbühne umgeben ist, und am Ende der Autoreihe dem markierten Wanderweg gefolgt. Die Sonne stand hoch und kräftig am Himmel, sodass sich der Wald langsam aber sicher aufheizte. Langsam bildeten sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Die Sonnenstrahlen brachen hier und dort durch das Blätterdach und tanzten fröhlich auf dem Boden. Neben dem Weg erhoben sich grünlich bewachsene Felsfomationen des ehemaligen Jurameeres, welche sich mehr oder weniger hinter den Baumstämmen versteckten, und versetzten uns in Staunen. Das braune Laub des Vorjahres raschelte leise unter jedem Schritt.

Am Waldrand zum Einstieg

Nach circa einer halben Stunden waren wir am Anfang des Eibgrats angekommen. Ein Schild, welches auf „Alpine Gefahren“ hinweist, markiert den Beginn. Wie sich herausstellen sollte, ist das Schild absolut berechtigt. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind absolute Vorraussetzung und Sandalen haben auf diesem Weg absolut nichts zu suchen.

Der Einstieg

Bizarr erhoben sich die Felsen wie kleine Türmchen oder Zacken auf dem Grat. An vielen Stellen wurde der Stein von schillernd sattgrünen Flechten bewachsen. Und der Weg schlängelte sich mitten durch dieses vermeintliche Labyrinth. Gut markiert, versteht sich. Häufig mussten wir die Hände zur Hilfe nehmen. So ging es lange Zeit hoch und runter und es wechselte sich Gehgelände mit Kraxelei im ersten und zweiten UIAA-Schwierigkeitsgrad ab.

In diesem Gelände mussten wir auch mal die Hände zur Hilfe nehmen

Der Grat erhob sich an einige Stellen bis zu 30 Meter, sodass Ausrutschen oder Schwindelattacken an diesen Stellen keine gute Idee wären. Zur Sicherheit ist der Eibgrat in fünf Abschnitte unterteilt und an vielen Stellen sind Schilder mit Standort und Notrufnummer der zuständigen Bergwacht angebracht.

Bergwachschilder markieren die Zone
Wenn’s hoch geht, geht’s auch wieder runter
Eibgrat Zone 3

Das Highlight des Weges stellt eine lange steile Eisenleiter dar, die auf den höchsten Punkt des Grates führte. Dort fanden wir einige Bänke und einen Tisch zum Rasten vor, was wir dankbar annahmen. Mittlerweile hatte die eine Schweißperle vom Zustieg ziemlich Gesellschaft auf der Stirn bekommen. Dort konnten wir etwas Aussicht genießen, so es der umliegende Mischwald zuließ.

Zone 4, kurz vor der langen Eisenleiter
Blick vom Aussichtspunkt

Wer hoch geklettert ist, muss ja auch wieder runter. So begannen wir den Abstieg durch die bizarre grüne Zackenlandschaft. Der letzte Abschnitt führte durch ein kleines Felsentor und schon teilte uns ein Schild mit, dass wir das Ende des Eibgrates erreicht hatten. Schade, schon vorbei der Spaß…

Die letzten Meter…
… einmal durch die Höhle gerobbt…
… und schon war der Spaß vorbei.

Essen in Spieß?! Eine Odysee

So begannen wir mit dem Rückweg zur Tanzlinde. Mittlerweile knurrten Mägen und wir überlegten uns die schöne Tour und den begonnen Nachmittag mit Kuchen abzurunden. Zwei örtliche Gasthäuser sollte es in dem Örtchen geben, teilte uns Google mit. Leider hatte unsere erste Anlaufstelle, die Hutzerstubn, nur Samstag von 10-22 Uhr geöffnet und es war ja schließlich Donnerstag. Gasthaus Nummer Zwei, der Eibtaler Hof, entpuppte sich als Hotel der Marke Ferien auf dem Bauernhof, das auch nur Hotelgäste verköstigt. Tja, Satz mit X, war wohl nichts. Erneut Google befragt, so fanden wir den circa einen Kilometer entfernten Gasthof Schermshöhe. Dieser servierte uns dann super leckere fränkische Windbeutel und der Nachmittag war gerettet.

Frisch gestärkt traten wir die Heimfahrt über Lauf/Pegnitz an, wo uns ein aufziehendes Gewitter in die Regionalbahn zurück nach Fürth trieb.

Fazit zum Microadventure Franken:

Franken eignet sich hervorragend für Mikroabenteuer, denn gut ausgebaute Rad- und Wanderwege führen fast überall hin. Gleichzeitig existiert zumindest im Bereich des Nürnberger Landes eine gute Anbindung an die öffentliche Verkehrsmittel, sodass man bei einem Wetterumschwung recht schnell wieder nach Hause kommt. Insgesamt haben wir auf diesem Miniabenteuer circa 80 Kilometer radelnd und 6 Kilometer wandern auf dem Eibgrat zurückgelegt. Der Eibgrat ist eine tolle Tour, die mehr ist als Wandern. Die Kraxelei im ersten und zweiten UIAA-Schwierigkeitsgrad lässt die Freude bis in die letzte Ecke des Körpers fließen. Trotz aller Begeisterung, die der Grat bei uns hervorgerufen hat, ist die Tour nur für erfahrene Wanderer geeignet. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie geeignetes Schuhwerk sind verpflichtend!

Daten & Fakten zum Eibgrat:

  • Dauer: 2h 30min
  • Strecke: 6 km
  • Höhenmeter: 180 hm
  • GPS-Track: Bergfex
  • Parken: Wanderparkplatz in Spies am Ortseingang (von der Autobahn kommend)
  • Einkehr: Gasthof Schermshöhe in Schermshöhe

 

 

 

 

 

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