Seven Summits Stubai -das Zuckerhütl 3507 m

Die Seven Summits Stubai – bei den sieben Gipfel handelt es sich nicht um die höchsten sondern die schönsten und markantesten Berge im Stubaital. Bei diesen Touren bezwingt man nicht nur sieben Berge mit Charakter, sondern erlebt auch bei jedem Einzelnen eine vollkommen andere Bergtour. Als kleines Schmankerl für die Touren gibt es zum Nachweis einen Gipfelpass, welcher im Tourismusbüro erhältlich ist, und es winkt dem Bergsteiger ein T-Shirt für drei sowie eine Trophäe für alle bestiegenen Gipfel. 

Zum Glück hatten wir im Dezember 2016 langes Wochenende und konnten noch am Sonntag die Gelegenheit nutzen, unseren dritten Gipfel der Seven Summits Stubai zu erklimmen. Es sollte auf Zuckerhütl (3507m) gehen.

Gipfel Nr. 3: das Zuckerhütl

Da wir durch den Skitag zuvor einigermaßen ausgeruht waren, nahmen wir die erste Bahn von der Talstation Mutterberg zum Gamsgarten um von dort mit dem Eisjoch-Sessellift nach ganz oben zu gelangen. Am Gipfelrestaurant Jochdohle trafen wir uns mit unserem netten Tourenbegleiter, der einige Wochen zuvor schon aufs Zuckerhütl getourt war und auch sonst sehr bergerfahren ist. War ja schließlich unsere erste Skihochtour und wir wollten uns weder verlaufen noch eine Gletscherspalte von innen betrachten.

 

Von der Jochdohle fuhren wir erstmal über den Gaiskarferner Richtung Lifthäuschen des Gaiskarschleppliftes ab. Aufgrund des nicht vorhandenen Neuschnees der letzten Wochen war die Piste nur in der oberen Hälfte präpariert. Der Lift wurde dadurch über ein vorgeschobenes zweites Lifthäuschen betrieben. Vorbei an den Absperrung gelangten wir auf den unteres Abschnitt des Ferners, welcher hauptsächlich mit Eisbrocken und steinhart gefrorenem Firn bedeckt war. Schönes Abfahren ist anders. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings noch nicht, dass uns diese „Schneeverhältnisse“ den restlichen Tag begleiten sollten.

Von der Senke ging es wieder bergauf

Normalerweise quert man in relativ gleicher Höhenlage von dem Lifthäuschen auf den benachbarten Pfaffenferner. Leider fanden wir nicht genug Schnee vor und so mussten wir die Rinne unterhalb des Liftes noch ein ganzes Stück weiter abfahren. Auf einem Hochplateaus fanden wir dann genügend Schnee vor um die Felle aufzuziehen und den, nun doch ein ganzes Stück längeren, Aufstieg zu beginnen. Auf dem Plateau war reger Verkehr, denn noch weitere Tourenskigeher hatten das gleiche Vorhaben. Einem sanften Anstieg folgend , über Schnee und Stein, gelangten wir zum Steilsaufschwung des Pfaffenferners. Der Gletscher erhob sich über uns und zeigte uns ein zum Großteil blank gefegtes Eisgesicht. Lediglich am linken Rand bedeckte Schnee das Eis und war auch gespurt. Flux das Seil ausgepackt um ein Wegrutschen zuverhindern, folgten wir auch schon den Spuren bergauf.

Der blankgefegte Pfaffenferner

Erst bergab, dann bergauf

Nach dem Steilaufschwung verläuft der Ferner sanft bergauf bis zur Scharte des Pfaffenjochs (3213m). Trotz strahlendem Sonnenschein spürten wir immer mehr den vorhergesagten kalten böigen Wind, je näher wir dem Pfaffenjoch kamen. Als wir dort auf die Nordseite wechselten, traf uns der eiskalte Wind mit voller Breitseite. Die Querung auf dem Sulzenauferner unterhalb der Nordflanke des Zuckerhütl war mehr als zäh. Die Böen rissen uns abwechselnd immer wieder von den Skiern, teilweise ging es einen Schritt nach vorne und man wurde  zwei Schritt wieder zurückgeweht. Die Kälte raubte uns die Kraftreserven, sodass unsere ohnehin niedrige Geschwindigkeit noch mehr Schneckentempo annahm. Die Nordwand des Zuckerhütl überragte uns als herrliche Eiswand, welche bei besseren Bedingungen sehr zum Eisklettern eingeladen hätte.

Über dem Sulzenauferner zum Zuckerhütl

Die letzten Meter klettern

Auf dem Pfaffensattel (3344m) zwischen Wilden Pfaff und Zuckerhütl stiegen wir über die Flanke bis unterhalb der Gipfelwand auf. Immer noch den eisigen Böen ausgesetzt, richteten wir am Wandfuss unser Skidepot ein und legten die Steigeisen an. Die 40 Grad steile Ostflanke des Gipfelanstiegs erwartete uns mit herrlicher, wenn auch stellweise sehr ausgetretener Firnkletterei. Aber zum Glück war es hier wesentlich windstiller. Am Gipfel angekommen, wehten uns die eisigen Böen erneut stark in die Gesichter und luden nicht zum Verweilen ein. Also, schnell und frierend Gipfelfotos gemacht und den Gipfelpass gestanzt um gleich darauf wieder über die Ostflanke zurück zum Skidepot zu eilen.

Die letzten Klettermeter im Firn unterhalb des Gipfels

Immer ausgekühlter wurden die Handgriffe zum Abfellen und Einpacken doch unaufhaltsam langsamer. Wir mussten endlich aus diesem fiesen Wind raus. Die Abfahrt über den Sulzenauferner bereitete nur bedingt Freude, denn neben dem unliebsamen Wind kam noch sehr stark vereister und festgefrorener Firn hinzu. So ging es dann oft mehr rutschend als fahrend bis zur Scharte des Pfaffenjochs. Unsere Hoffnung auf dem Pfaffenferner windstillere Verhältnisse vorzufinden, wurde jäh enttäuscht. Also ging’s die „Fahrt“ im Wind auf steinharten Firn weiter wie bisher, bis wir wieder auf dem Hochplateau ankamen.

Wind, Wind und ständig Wind

In der Sonne war es so angenehm warm, dass die kalten und müden Glieder beim Aufziehen der Felle etwas aufgewärmt werden konnten. Die Rinne zum Talhäuschen des Gaiskarschleppliftes lag aber schon längere Zeit im Schatten. Dadurch war die Aufstiegsspur doch ziemlich vereist und wir mussten stellenweise zu Fuß aufsteigen, die Skier geschultert. Immer wieder wechselten sich Eis und Bruchharsch ab, dadurch wurde das Vorankommen immer mühsamer. Zu allem Überfluss dämmerte es nun langsam als wir das Lifthäuschen erreichten und die Befürchtung – mal wieder – die letzte Bahn zu verpassen, wurde zur Tatsache. Mittlerweile hatte auch wieder der hässliche Wind eingesetzt und wir wählten kurzerhand den Aufstieg nach weiter rechts zur Bergstation des Fernaulifts. Der Vollmond war nun aufgegangen und spendete uns helles Licht während des sanften Aufstiegs zur Bergstation. Sozusagen eine romantische Skitour bei Mondenschein, wären da nicht die eisigen Windböen und die körperliche Erschöpfung gewesen, die den Genuss trübten.

Mega kalt und windig auf dem Gipfel (3507m)

Abfahrt im Mondschein

An der Bergstation angekommen, erwarteten uns fleißig arbeitende Pistenraupen. Nach Absprache mit dem zuständigen Personal fuhren wir bei perfekten Pistenverhältnissen im Schein der Pistenraupen und unserer Stirnlampen bis zur Mittelstation Fernau ab. Dort stürmten wir die Dresdner Hütte um die müden Glieder bei einer warmen Suppe zu wärmen und den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Welch Wohltat für das strapazierte Gemüt.

Frisch gestärkt machten wir zu guter Letzt an den Abstieg zur Talstation Mutterberg um noch in der gleichen Nacht den Heimweg anzutreten.

 

Fazit zur Skihochtour aufs Zuckerhütl (3507m):

Unsere allererste Skihochtour führte uns auf den höchsten Berg des Stubaitals. Der kalte Wind machte die sonst herrschenden guten Bedingungen ziemlich kaputt, sodass wir für ca. 19km, 1400 Höhenmeter Aufstieg  ca. 9 Stunden benötigten. Die fehlenden Pausenmöglichkeiten wegen der Böen machten uns ganz schön zu schaffen. Trotz aller Anstrengung und Mühen war es eine megageile Skitour auf einen tollen Gipfel! Wir werden bestimmt noch einmal den Berg besteigen, nur um in Ruhe die Aussicht zu genießen, sei es als klassische Hochtour oder als Skitour (mit etwas mehr Training).

Wir bedanken uns ganz doll bei unseren lieben Tourenbegleiter Manu W., der viel Geduld mit uns hatte und auch freundlicherweise seine Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Hier noch einige Bilder in unserer Bildergalerie:

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