Seven Summits Stubai – Rinnenspitze 3003m

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Die Seven Summits Stubai – bei den sieben Gipfeln handelt es sich nicht um die höchsten sondern die schönsten und markantesten Berge im Stubaital. Bei diesen Touren bezwingt man nicht nur sieben Berge mit Charakter, sondern erlebt auch bei jedem Einzelnen eine vollkommen andere Bergtour. Als kleines Schmankerl für die Touren gibt es zum Nachweis einen Gipfelpass, welcher im Tourismusbüro erhältlich ist. Es winkt dem Bergsteiger ein T-Shirt für drei sowie eine Trophäe für alle bestiegenen Gipfel. 

Gipfel Nummer 5 – die Rinnenspitze (3.003 m)

Die Rinnenspitze ist im Oberbergtal, einem Seitental des Stubaitals, gelegen. Der Bergsteiger gelangt ohne Gletscherkontakt auf deren Gipfel. Ein fast wanderbarer Dreitausender, wäre da nicht der kurze Klettersteig auf den letzten Metern. Aber der Klettersteig schreckte uns nicht, und so beschloss unsere Blaulichttourengruppe diesen leichten Berg als Dreitausender des Jahres zu wählen.

Wer oder was ist die Blaulichttourengruppe?

Blaulichttouren ist der Name der WhatsApp-Gruppe mit unseren Freunden. Wie der Name vermuten lässt, hat es mit Blaulicht zu tun. Denn Verrückte rotten sich bekanntermaßen zusammen und so sind circa 90% unserer Ersatzfamilie auch im Blaulichtgewerbe, neben- oder hauptamtlich, unterwegs. „Heroes on Tour“ wäre dann doch etwas pathetisch gewesen… Und wir versuchen trotz Schichtdienst immer einmal im Jahr einen Termin zu finden, an dem wir gemeinsam ein Wochenende in den Bergen verbringen. Bisher unternahmen wir Retter aller Art schon die leichte Hochtour auf das Kitzsteinhorn oder bezwangen den Geierwand-Klettersteig. Auch diesmal würden wir ein Leben retten, aber dazu später…

Die Seven Summits Stele für die Rinnenspitze

Tag 1: Aufstieg zur Franz-Senn-Hütte und zur Vorderen Sommerwand

Start an der Oberrissalm

An einem Samstag Morgen im August 2017 starteten wir unter dem wolkenverhangenen Himmel Mittelfrankens. Ohne große Verzögerungen oder Staus gelangten wir zügig ins Stubaital. Kurzer Abstecher zum Tourismusbüro in Neustift, T-Shirt abholen und für drei Begleiter Gipfelpässe besorgen. Schließlich hatten wir schon mehr als drei Gipfel bezwungen und so winkte uns ein Seven Summits Stubai Shirt. Anschließend folgten wir der kurvenreichen Straße zur Oberrissalm. Immer wieder legten wir eine kurze Pause ein, denn die ein oder andere Kuh blockierte die Straße. Zufrieden mit sich und der Welt kauten die Tierchen fröhlich wieder und ließen sich mit nur viel Überredungskunst wieder von der Straße herunter bugsieren. Als wir den Parkplatz erreichten, hatte es zu leicht zu regnen begonnen. Aber bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung!

Start an der Oberrissalm

In Regenklamotten gepackt, starteten wir an der Oberrissalm Richtung Franz-Senn-Hütte. Der Weg führte einige Meter recht flach durchs Oberbergtal bevor es anstrengender steil bergauf ging. In Serpentinen wanderten wir am rechten Talrand durch den Latschen- und Baumbestand. Unter uns lag das Oberbergtal in seiner ganzen grünen Pracht. Wolkenbänke umwoben die umliegenden Berge und sachte prasselten die Wassertropfen auf die Hardshelljacken. Die Schuhe schmatzen leise im Schlamm des Weges und der Atem bildete kleine Wölkchen vor unseren Gesichtern.

Franz-Senn-Hütte in Sicht – oder doch nicht?!

Auf die kurzen und knackigen Serpentinen folgte sogleich die Belohnung. Wir passierten ein kleines Weidetor und vor uns eröffnete sich eine Hochebene. Die braungrünen Wiesen bildeten eine starken Kontrast zu den Nebelbänken. Die Umrisse der Alpeinalm ließen sich gerade noch erkennen, alles weitere wurde vom Nebel verschluckt. Schritt für Schritt wanderten wir in dieser unwirklichen Szenerie.

Die Alpeinalm im Nebel

In diese ruhige graue Welt mischte sich lauter werdendes Wasserplätschern. Neben dem Wanderweg rauschte der Alpeiner Bach einen Wasserfall hinunter. Bald würden wir die Franz-Senn-Hütte erreicht haben. Aus dem Nebel erhob sich die große Hütte, die wir am späten Vormittag nach circa 1,5 Stunden Aufstieg erreichten. Erstmal raus aus den nassen Klamotten und bei einem Mittagsessen stärken.

Franz-Senn-Hütte in Sicht

Nachmittagstour auf die Vordere Sommerwand (2.677 m)

Der Tag war noch jung, das Wetter weiterhin bescheiden. Der Regen ließ nicht nach, ganz im Gegenteil. Dennoch wollten wir fünf nicht den ganzen Tag in der Hütte vertrödeln. Also, wieder rein in die nassen Klamotten und auf zur Vorderen Sommerwand. Unvergletscherte Bergtour, die 2,5 Stunden in Anspruch nehmen würde. Ideale Nachmittagsbeschäftigung.

Durch den immer stärker werdenden Regen folgten wir dem Wanderweg zur Kräulscharte. Trotz steilem Anstieg war der Weg mit gutem Schuhwerk auch bei schlechtem Wetter gehbar. Links neben uns plätscherte der Bach gen Franz-Senn-Hütte.

Wir bogen um eine Kurve und hörten ein leises und klägliches „Määääh“. Neben dem Pfad lag ein kleines durchnässtes Schäfchen. Es hatte sich den Hinterlauf zwischen zwei Felsen eingeklemmt. Aber wir wären ja nicht die Blaulichttouren, wenn wir nicht helfen würden. Die zwei starken Männer hoben die Steine an und das Schäfchen robbte ein Stück von uns weg. Blieb aber noch am Pfad liegen. Wir beobachteten es etwas, beschlossen dann aber weiterzugehen, weil wir dem Tier nicht mehr weiter helfen konnten. Im Abstieg stellten wir freudig fest, dass es ein kleines Stück entfernt am Grasen war. Wieder ein Leben gerettet!

Keine Sicht am Vorgipfel der Vorderen Sommerwand

Regen und kein Gipfel

Zum starken Regen kam nun auch ein böiger Wind hinzu. Eiskalt pfiff er um unsere Nasen und trieb die Kälte durch die durchnässten Klamotten in die Knochen. Die umliegenden Berge versanken im Nebel. Der Pfad führte nun ziemlich steil und ausgesetzt zum Vorgipfel der Vorderen Sommerwand. Dort peitschte uns der Regen und der Wind entgegen. Auf den Steinblöcken sammelte sich das Wasser und das Gehen wurde zur Rutschpartie. Auch hatten wir keine Aussicht vom Vorgipfel. Der ausgesetzte Gipfelgrat verschwand im Nebel. Der Grat sollte eigentlich mit Seilen versichert sein, aber erkennen konnten wir nichts. So beschlossen wir den Rückweg anzutreten, denn die rutschigen Felsen erschienen uns zu gefährlich.

Der Gipfelgrat auf die Vordere Sommerwand

Wieder zurück an der Hütte, hinterließen wir im Trockenraum ziemlich große Wasserpfützen. Schnell unter die warme Dusche und sich dann bei einem warmen Getränk in der Gaststube weiter aufwärmen. Beim Abendessen ließen wir den Tag schließlich ausklingen. Morgen war das Wetter besser prognostiziert.

Tag 2: Auf die Rinnenspitze

Wir erwachten in unserem Matratzenlager und Sonnenstrahlen erhellten den Dachboden. Hatte der Wetterbericht doch mal recht behalten. Nach dem reichhaltigen Frühstück sattelten wir die Rucksäcke und los ging’s.

Steil Richtung Rinnensee

Direkt hinter der Hütte überquerten wir den Alpeiner Bach und folgten der Wegmarkierung Richtung Rinnensee/Rinnennieder. Die Nässe des Vortages hatte sich in den Wiesen gehalten. Dicke Wassertropfen auf den Grashalmen glitzerten in der Sonne. Schnell gewann der Weg an Steilheit und verlief bald darauf wie ein Höhenweg entlang des Bergrückens. In der Morgensonne strahlten der Bergglas- und der Verborgen-Berg-Ferner in grellem Weiß. Die hellen Gipfel des Brunnenkogels, des Wilden Turms und des Schrandeles zeichneten sich scharf gegen den stahlblauen Himmel ab. Bald zogen aber Wolkenbänke auf.

Im „Tal“ die Franz-Senn-Hütte zu erkennen
Schwarzer Bergwanderweg zur Rinnenspitze

Kurz unterhalb des Rinnensees zweigte der Weg zum Gipfel nach rechts ab. Wir wanderten nun weglos durchs Geröll des Ostrückens, der von der Rinnenspitze herab zieht. Nach einer weiteren Stunde im Schutt des ehemaligen Gletschers erreichten wir den Einstieg zum Gipfelgrat.

Weglos über den Ostrücken
Der Rinnensee
Weglos aber immer gut markiert.

Klettersteig am Gipfelgrat

Wie es sich gehört, hatten wir unsere Klettersteigsets mitgebracht und legten diese flott an. Über eine glatte Platte (A), die mit Stahlklammern versichert war, gelangten wir auf den Grat. Ausgesetzt kletterten unschwierig wir den Grat entlang, der durchgehend mit dem Drahtseil versichert war. Einzig ein kleiner Aufschwung (B) kurz unterhalb des Gipfelkreuzes hatte es nochmal in sich. Der Aufschwung bog über eine schattige vereiste Ecke und erforderte etwas Armkraft und Tritttechnik. Eigentlich nicht schwer, aber die Eisglätte erschwerte das Stück. Anschließend liefen wir noch ein paar unspektakuläre Meter bis zum Gipfelkreuz.

Einstiegsplatte (A) in den Klettersteig
Gut versicherter Gipfelgrat
Die kurze B-Stelle hinten im Bild
Letzte Meter zum Gipfel

Just oben angekommen, zog eine Wolke hinüber und versperrte die Aussicht. Unter uns lag der Rinnensee und auf der anderen Seite der Lüsener Ferner. Die Wolken gaben die Sicht frei und wir ließen unsere Blicke über die Ötztaler und die Stubaier Alpen bis nach Italien schweifen. Welch umwerfende Aussicht! Dafür hatten es sich wirklich gelohnt am Vortag nass zu werden.

Der Lüsener Ferner

Vor dem Abstieg noch schnell die Gipfelpässe stanzen. Gaaanz wichtig! Entlang des Aufstiegsweges liefen wir zurück zum Parkplatz an der Oberrissalm. In der Alm ließen wir die Tour bei einem verspäteten Mittagessen noch mal Revue passieren.

Gipfelfoto

Fazit zur Bergtour auf die Rinnenspitze:

Die Rinnenspitze wird vom Tourismusbüro als „Großer Lohn für kleine Müh“ beschrieben. Dem kann ich mich nur anschließen. Der Aufstieg zur Franz-Senn-Hütte ist eine überschaubare nette Wanderung. Ab der Hütte wird es zwar steiler und bald weglos, aber die Markierung sind immer gut zu finden. Erfahrene und trittsichere Bergwanderer sollten in diesem Gelände wenig Schwierigkeiten haben. Auch der Klettersteig am Gipfelgrat mit der überwiegenden Schwierigkeit von A (eine Stelle B) ist nicht schwer zu klettern. Die Ausgesetztheit am Grat erfordert allerdings neben Trittsicherheit auch Schwindelfreiheit.

Die vom Tourismusbüro angegebene Gesamtzeit mit 4,5 Stunden im Aufstieg ist schwer einzuhalten. Wir benötigten 1,5 Stunden bis zur Franz-Senn-Hütte und von dort zum Gipfel nochmal circa 4 Stunden. Somit ist eher eine Gesamtzeit mit 5,5 – 6 Stunden für den Aufstieg zu veranschlagen. Die Angabe von 3,5-4 Stunden für den Abstieg ist dagegen realistisch. Für erfahrene und konditionsstarke Wanderer eignet sich die Tour auch als Tagestour. Als Zwei-Tagestour ist es eher eine Genusswanderung. Somit schließe ich mich dem Titel „Großer Lohn für kleine Müh“ absolut an.

Daten & Fakten:

  • Dauer:
    • Aufstieg: 1h Oberrissalm Franz-Senn-Hütte, 3h 45min Franz-Senn-Hütte – Rinnenspitze
    • Abstieg: 3,5h Rinnenspitze – Oberrissalm
    • Gesamt: circa 8h 15min
  • Strecke: 13 km
  • Höhenmeter: ca. 1300 hm gesamt

 

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Sabrina sagt:

    Toller Bericht! Schön das Ihr auch nach Feierabend euren Job ernst nehmt 😍

    1. miiiep sagt:

      Dankeschön! Wäre ja auch unmenschlich gewesen das arme Tierchen sterben zu lassen. Muss echt nicht sein.

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