Sleep – Eat – Climb – Repeat

Bei einer herrlich duftenden Tasse Lao-Kaffee sitzen wir morgens gemütlich in der Lounge des GreenClimbersHome und warten auf unser Frühstück. Die lange Anreise und die Zeitumstellung hängen uns noch ganz schön in den Knochen, trotzdem trieben uns die ersten Sonnenstrahlen und die warmen Temperaturen zeitig aus dem Bungalow. Heute werden wir also das erste Mal in Asien klettern. Der mit Tamarinde versetzte Kaffee entfaltet langsam seine Wirkung als die morgendliche Stärkung eintrifft. Frisch gebackene Pancakes, verziert mit frischen Bananen und Schokosauce – so kann ein Tag beginnen. Zunächst werden erstmal die großen Trekkingrucksäcke geleert, das Material sortiert und in kleinen Daybags verstaut. Das Ganze komplettiert durch Sonnen- und Mückenschutz würden wir so für die ersten Touren gewappnet sein.

Tree Lounge

Unser erstes Ziel ist der Sektor Tree Lounge, den wir nach etwa 8 Minuten über einen Pfad vom Camp durch den laotischen Urwald erreichen. Die Wegbeschreibung des vor Ort erhältlichen Guidebooks ist sehr übersichtlich und die Wand ist gut zu finden. An einem Steinmann verlassen wir den Trampelpfad vorbei an ein paar Boulderblöcken bis sich die gut 20m senkrecht in die Höhe ragende Wand erblicken lässt. Unsere erste Aktion vor Ort soll aber nicht das Anlegen des Gurtes sein. Sofort schwirren zahlreiche Mücken um uns herum und möchten ihren Fels verteidigen. Eine Schicht Anti-Brumm verschafft uns erstmal etwas Ruhe. So langsam gibt es aber kein Halten mehr. Routinemäßig schlüpfen wir in unsere Gurte, bestücken die Materialschlaufen mit den Expressschlingen, Sicherungsgerät und Karabiner. Um unsere steifen Glieder zu lockern steigen wir erstmal in die beiden leichtesten Routen (Schnunktputz (4a), Look-listen-learn (4b)) ein und bekommen so auch gleich einen ersten Eindruck der laotischen Felsqualität. Das warme,  dunkelgraue Gestein ist sehr rauh und gleichermaßen scharfkandig, hier möchte man nur ungern stürzen. Nach dem Warm-up wechseln wir an die gegenüberliegende Hauptwand dieses Sektors,  wo uns zwei schöne Klettereien erwarten. Über einen kurzen Überhang steigt man in Lullaby (5b) und die rechts abzweigende Daydream (5c) ein. Über gute und ausreichend viele Griffe und Tritte klettern wir über die bestens abgesicherte senkrechte Platte. Auch der Rest ist absolut empfehlenswert. Insgesamt gibt es in dem Sektor 12 Routen von 4a bis 6a+.

In der Zwischenzeit machte sich sowohl die Hitze als auch unser Hungergefühl bemerkbar. Verschwitzt stapfen wir über den Pfad zurück in Richtung Camp, die Abkühlung in der Höhle, in die man hier hineinschwimmen kann, kommt uns jetzt gerade recht, bevor wir die restlichen Meter zu unserem Bungalow laufen.

Elephant

Nach einer ausgiebigen Mittagspause mit leckerem Essen in der Climber-Lounge ziehen wir weiter zum Sektor Elephant, der ebenfalls schattige Routen in den unteren Graden verspricht und dafür müssen wir uns nicht einmal durch das Unterholz schlagen. Bereits nach 5 Minuten erblicken wir besagten Wandteil, der mit Stalaktiten und sandbraunem Gestein die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Ein Kletterkurs hangelt sich schon fleißig an den wasserrillenähnlichen Gebilden zu den Umlenkpunkten ihrer Toprope-Seile empor, weshalb wir uns den linken, etwas niedrigeren Wandteil zuerst vornehmen. Der Sektor ist zur leichteren Orientierung im Guidebook in 4 Teilbereiche unterteilt und bietet insgesamt 25 faszinierende Sportrouten in dem Schwierigkeitsgraden  von 4 bis 6b, so dass vom Vorstiegstraining über knackigen Bouldereinstieg bis zum Klettern im Dach jeder fündig wird. Durch die Jahreszeit bedingte frühe und schnell einsetzende Dämmerung werden wir zeitig zum Beenden unseres ersten Klettertages gezwungen. Aber es ist klar, den Elephant werden wir ebenso wie die Tree Lounge ein weiteres Mal aufsuchen.  Den Abend lassen wir standesgemäß bei laotischem Essen und Beerlao in der Kneebar Revue passieren.

Einfache Kletterei, bei den Temperaturen trotzdem Schweistreibend

Swiss Oldies

Tag 2 startet nach einer erholsamen Nacht wieder mit dem tamarindenhaltigen Lao-Kaffee und einem fruchtig süßen Pancake. Schon jetzt wird klar, daß sich hier ein Frühstücksritual entwickelt. Während wir an den heißen Tassen mit dem Blumenaufdruck schlürfen, wird der Kletterführer gewälzt und studiert. Wir entscheiden uns, den Sektor „Swiss Oldies“ einen Besuch abzustatten. Frisch gestärkt verlassen wir mit unseren Kletterrucksäcken das Camp zwischen den Bungalows und überqueren den plätschernden klaren Fluss über die gespannte Slackline mit dem Seilgeländer. Den kleinen Pfad linkshaltend, treffen wir auf einen größeren Weg, den wir etwa 10 Minuten folgen, vorbei an einigen Kletterwänden, bis uns ein kleiner Steinmann die Abzweigung zu unserem Ziel zeigt. Die knapp 30 Meter hohe botanische Wand wirkt auf den ersten Blick nicht all zu viel versprechend. Die Touren am Randbereich, wie die Sandrose (5a) streichen wir wegen fehlenden Gartengeräten gleich mal von der Liste. In Silvester (5a) und Alhambra (5b+) kommt unsere Ausdauer dafür in gleichmäßigen Linien voll auf ihre Kosten. Witzig ist auch der Überhang im Graziöses Elefäntli (6a+). Wegen zunehmender Mückenplage flüchten wir zeitig zurück ins Camp. Am Nachmittag suchen wir einen weiteren Teil im Sektor Elephant auf. Über den Little Elephant (5b+),CoupleStress (5c+) und RamboGirl (5b) gehts über wasserrillenähnliche Gebilde die Wand empor, ganz dem Motto „Wenn du nicht mehr weiter weißt, spreize bis die Hose reißt!“ stemmt man sich hier Stück für Stück nach oben.

Unsere Klettersucht ist erstmal befriedigt, und wir gönnen uns einen Restday, schließlich will auch die Umgebung etwas erkundet werden. Durch die Ruhe in dem grünen Paradies und die warmen Sonnenstrahlen sind wir nun entgültig angekommen und im Urlaubsmodus. Die Zeitverschiebung und die lange Anreise sind auch komplett verdaut.

Hilton

Täglich grüßt das Murmeltier… Wie jeden Tag starten wir mit leckeren Pancake und einer Tasse Lao-Kaffee. Entspannt vom vorherigen Tag, wollen wir noch einmal in Richtung Tree Lounge aufbrechen, sind ja noch ein paar reizende Routen, die geklettert werden wollen. Mit Egg on Top (5c) und Laos-simply beautiful (5c+) ziehen sich zwei herrliche und logische Linien durch die Felsplatte. Am Nachmittag suchen wir den Sektor „Hilton“ auf, der direkt an den Elephant anschließt. Da hier noch eine Seilschaften beschäftigt ist, steige ich noch kurz in die Dancing Butterflys (5c) ein, die mich schon seit dem ersten Tag fasziniert. Dann sind auch endlich die Vegan Schnitzel (5b) und Vegan Burger (5b) frei. Mit Beginn der Dämmerung geht’s flink über die Sissi (5b+) noch einmal empor, bevor wir fast schon im Dunkeln Richtung Camp marschieren.

Good Memories

Da wir bis jetzt immer noch nicht all zu viel des Klettergebietes gesehen haben, soll heute Neues erkundet werden. Wieder wird bei der Frühstückszeremonie das Büchlein gewälzt. Der Sektor „Good Memories“ bekommt einstimmig den Zuschlag. Ein kurzer Spaziergang über den breiten Pfad, vorbei an den Wänden des Elephant und dem großen Überhang – dem Roof – erreichen wir nach 10 Minuten ein auffälliges Steinmännchen, welches uns den Weg zu den Guten Erinnerungen weist. Zum Aufwärmen klettern wir über Gottes grüne Wiese (5a) diedunkle Wand an guten Griffen nach oben. Der Wandfuß liegt noch schön im Schatten, das obere Drittel in der Zwischenzeit schon in der prallen Sonne, was sich an einer deutlichen Temperatursteigerung an Händen und Füßen bemerkbar macht. Viel wird hier heute nicht möglich sein. Die Gedenktour Für Kurt (5c+), welche sich etwas um das Eck zieht, scheint aber noch machbar zu sein. Fix geht es in schönen Zügen, die auch bei uns im Frankenjura sein könnten, in das warme Sonnenlicht. Wegen der Hitze ziehen wir anschließend in schattige Gefilde um. Frisch gestärkt, ziehen wir nachmittags noch einmal in Richtung TreeLounge los, Ziel ist aber diesmal, die auf dem Weg liegende Spielhölle. Über mehrere große Stalaktiten erklimmt man mit dem Joker (5c) die leicht überhängende Wand. Die FullHouse (6a+) müssen wir wegen durchgeschliffener Sanduhrschlingen auf den nächsten Tag verschieben.

Gottes grüne Wiese (5a), ein heißer Stein…

Heute stünde wieder ein Erholungstag auf dem Programm, wäre da nicht die vertagte Route mit den kaputten Schlingen, die wir noch ersetzen wollen. Neben dem üblichen Frühstück ordern wir bei Tanja noch ein Stückchen Seil und zogen los. Wieder geht es über die bekannte Joker nach oben und nach kurzer Zeit ist die Sicherung getauscht. Um das Equipment nicht umsonst geschleppt zu haben, geht’s noch auf ein paar Genuss-Klettereien in die TreeLounge. Dem Namen alle Ehre schlägt der White Rabbit (6a) seine Haken die Felswand nach oben, wenn man die logische Linie der Route wählt. Wer dagegen auf einen Einstiegsboulder über eine nahezu blanke Platte bevorzugt, der darf sich die Pienzbohne (5c) nicht entgehen lassen. Die zweite Tageshälfte soll dafür der Regeneration dienen, und wir beobachten Tanja und Uli beim Einrichten einer neuen Route im Hilton.

Zu guter Letzt eine Erstbegehung

Inzwischen ist unser letzter Klettertag angebrochen, also die letzte Chance verbleibende offene Routen noch abzuhaken. Ein Sektor steht auch noch komplett aus und dann wurde uns am Vorabend noch eine Erstbegehung zugesagt. Da bricht am letzten Tag also fast noch Streß aus. Zuerst erledigen wir die letzten vertikalen Wege in der TreeLounge. Mit einem knackigen Boulderstart auf einen Vorblock startet die Illusion (6a+), danach geht es über kleine und wenige Griffe und Tritte in die senkrechten Platten, eine herrliche Kletterei. Weiter geht’s in die Spielhölle, nach dem Setzen der neuen Schlingen steht ja auch noch die FullHouse (6a+) aus, die sich von der linken Seite schräg über einen großen Stalaktiten zum Umlenker zieht. Nach der Mittagsstärkung gab es dann das OK, und die Erstbegehung der Vegan Beer (5a) steht an. Über noch staubige Griffe und Tritte erklimmt man die dritte Route der Vegan-Reihe, die auch ähnlich zum Klettern ist. Jetzt fehlt nur noch ein Besuch im Sektor „G-Spot“, dessen Wand sich direkt hinter dem Camp erhebt, die meiste Zeit aber der Prallen Sonne ausgesetzt ist. Erst jetzt am späten Nachmittag hält der Schatten Einzug.

F.A. der Vegan Beer (5a)

Auf dem Weg kommen wir am Sektor „ClimbersHome“ vorbei. Kurz entschlossen, steigen wir noch in den Trollhölenweg (5b) ein, der sich an der linken Kante des mit Tropfsteinen bewachsenen Überhangs 30m in die Höhe zieht. Zum Abschluss stemmen wir uns noch die Eight Ball (5b) des G-Spot nach oben. Gedanklich sind wir aber schon beim Rucksackpacken. Leider steht am nächsten Morgen bereits die Abreise aus dem Kletterparadies bevor, die Zeit ist einfach viel zu schnell vergangen.

Unser Fazit:

Hat man erstmal die lange und stellenweise aufregende Anreise nach Thakhek/Laos gemeistert, erwartet einen ein gemütliches Camp, umgeben vom grünen Urwald und eingekesselt in zahlreichen Kletterwänden, in denen sowohl Anfänger, Hobbykletterer als auch Semi-Profis  ihren Schwierigkeitsgrad meistern können. Etwa 360 Routen verteilt auf 42 Sektoren mit kurzen Zustiege bilden das größte Klettergebiet in Laos. Das Camp und auch die Routen werden von Tanja und Uli bestens gepflegt, und alle Routen sind nach „Deutschem Standard“ eingebohrt. Der raue und meist scharfkantige Fels bietet unterschiedlichste Phasetten der Kletterkünste. Da bei uns der Urlaubs- bzw. der Erholungsfaktor nicht zu kurz kommen sollte, haben wir uns bewusst weniger Routen pro Tag vorgenommen und geklettert, wie es eigentlich möglich gewesen wäre. Wir werden definitiv wieder kommen, und können es nur jedem empfehlen, der in den Wintermonaten ein warmes Fleckchen zum Klettern sucht.

Alles rund um das GreenClimbersHome könnt ihr in unserem zugehörigen Blog und YouTube-Video erfahren und was ihr so alles einpacken solltet, findet ihr hier.

Climbing Thakhek (Laos)

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