Zugspitztour: zwei Klammen und der höchste Berg Deutschlands

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Deutschlands höchster Berg: mit 2962 Meter kein Dreitausender, aber er wäre angeblich mal über 3000 Meter hoch gewesen und sei Opfer eines Felssturzes in der Bronzezeit geworden. Er beheimatet drei der fünf deutschen Gletscher und eine der modernsten Seilbahnen der Welt bringt täglich abertausende Besucher auf die berühmte Plattform der Zuspitze.

Trotz aller Begeisterung für Deutschlands höchsten Berg muss man leider sagen, dass er nicht komplett uns gehört. Auf der Gipfelplattform überquert man mit nur ein paar Schritten die Grenze nach Österreich und ist genauso schnell wieder zurück in Deutschland. Auf den Gipfel gelangt man nicht nur mit den beiden deutschen Bahnen, sondern kann auch von der österreichischen Seite mit der Seilbahn nach oben schweben. Wer dagegen auf die Unterstützung moderner Technik verzichten möchte, dem stehen mehrere Routen zur Verfügung. 

Zugspitze „by fair means“ in 2,5 Tagen

Wir entschieden uns für eine 2,5-Tagestour, denn wir hatten die Idee nicht nur Aufzusteigen sondern auch auf Schusters Rappen wieder ins Tal zu gelangen. Sozusagen  ein bisschen „by fair means“, allerdings wollten wir die vorhandenen Hütten nützen und nicht biwakieren. Freitag Morgen nach der Arbeit starteten wir Richtung Garmisch. Nur vereinzelte Autos leisteten uns auf der Autobahn Gesellschaft, sodass wir ohne große Vorkommnisse kurz vor Mittag am Skistadion in Garmisch-Partenkirchen eintrafen. Der Vorteil am dortigen Parkplatz ist die Möglichkeit der Mehrtagestickets um sein Gefährt dort längere Zeit zu parken.

Schuhe gewechselt, Rucksäcke gesattelt und schon machten wir uns auf zum Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen. Dort wollten wir mit dem Eibseebus nach Hammersbach fahren. Die Sonne brannte stark vom Himmel und trieb uns die Schweißperlen auf die Stirn während wir durch den Ort zum Bahnhof wanderten. Gerade angekommen, hieß es erstmal die Richtige Haltestelle ausfindig machen. Es wurde dort fleißig umgebaut  und viele Haltestellen verlegt waren worden. Gesucht, gefunden und gewartet auf den Bus… Derweil erregten wir bei den wartenden Rentnern aufsehen. Anscheinend gehörten vollgepackte Rucksäcke mit Pickeln nicht zur mittäglichen Ansicht am Bahnhof.

Los geht’s in Hammersbach

Wandern zur Höllentalklamm

Für 3,60 € pro Person brachte uns der blaue Bus innerhalb von 36 Minuten nach Hammersbach. Nach anfänglicher Verwirrung, die hauptsächlich von mir verursacht wurde, fanden wir auch die richtige Abzweigung, die uns zur Höllentalklamm bringen sollte. Die breite Forststraße lief zuerst gemütlich entlang des Hammerbachs, steilte aber schon bald auf. Im Schatten des Blätterdachs kamen wir trotzdem ziemlich ins Schwitzen.

40 Minuten später erreichten wir eine Abzweigung von der Forststraße und der Weg verschmälerte sich. Erneut nahm die Steilheit etwas zu und es eröffneten sich langsam herrliche Ausblicke ins Tal. Auf der linken Bergseite rauschte ein Wasserfall die Wand herab und zauberte dabei einen Regenbogen in die Luft. Einige Minuten später erreichten wir das kleine Hüttchen, das den Eingang der Höllentalklamm markierte.

Die kleine Höllentaleingangshütte

Die Höllentalklamm

Als Alpenvereinsmitglieder passierten wir für einen Obulus von 2 € pro Person die Höllentaleingangshütte. Direkt hinter der Hütte befindet sich das kleine Höllentalmuseum, welchem wir natürlich einen Besuch abstatteten. Hier laden liebevoll gestaltete Informationstafeln und einige Exponate den Besucher zu einem Streifzug durch die Geschichte der Klamm und deren Erschließung ein. Je nach Lesefreude benötigt man zwischen 10 und 30 Minuten für das kleine Austellung.

Das Höllentalmuseum informiert …
… über die Geschichte und …
… die Erschließung der Klamm.

Wir wanderten weiter durch die Klamm. Auf ungefähr einem Kilometer Länge darf man die bizarren Schluchten mit bis zu 150 Meter Tiefe betrachten, die der Hammersbach in Millionen von Jahren in den Muschelkalk des Wettersteinmassiv gefressen hat. Es wechseln sich Wasserfälle und Gumpen ab, in denen der ein oder andere Baumstamm seine Heimat gefunden hatte. Da wir schon Anfang Juni und damit recht früh in der Saison unterwegs waren, fanden wir auch noch einige Altschneekapellen vor, die sich über den rauschenden Bach wölbten. Im Bereich der Tunnel wurde der bergseitige Eingang noch komplett von Schnee überlagert und man bekam den Eindruck durch das Innere eines kleinen Gletschers zu wandern.

Wilde Wasser…
in der Höllentalklamm.

Altschneefelder vermitteln Gletscherfeeling.

Das Höllental – ein Hauch von Alaska

Nach den Tunneln verließen wir die Höllentalklamm und begannen den Endspurt zur Höllentalangerhütte. Vorbei an den Ruinen eines alten Wasserkraftwerks und weiterhin entlang des Bachs wanderten wir die letzten 200 Höhenmeter zur Hütte. Kurz bevor wir die Hütte erreichten, weite sich das Tal zu einem riesigen Kessel mit Blick auf den Höllentalferner und die Zugspitzplattform. Das Kiesbett des Bachs wurde von vielen Tannen, Fichten und sattgrünen Blumenwiesen gesäumt während sich die Felswände steil dem Himmel empor reckten. Wie Alaska, nur im Mini-Format und unglaublich schön. Die Bezeichnung „Hölle“ trägt das Tal wirklich zu unrecht.

Die neue Höllentalangerhütte.

Am Eingang des Kessels liegt die Höllentalangerhütte auf 1387 Meter Höhe. Die 1893 erbaute Hütte musste 2013 abgerissen werden und wurde von 2014 bis 2015 durch einen komplett neuen Bau ersetzt. Das durch das Kleinwasserkraftwerk komplett autarke Gebäude bietet insgesamt 106 Schlafplätze und wurde im November 2017 mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnet.

Dreistöckige Matratzenlager.

Wir ließen den Nachmittag und Abend noch gemütlich auf der Hütte ausklingen, während diese sich langsam mit weiteren Gästen füllte. Dennoch waren am Anfang der Saison nicht alle Schlafplätze ausgebucht.

Sponsoren der Hütte.

Den nächsten Tag begannen wir schon um sechs Uhr mit dem reichhaltigen Frühstück während die ersten Tagestouren-Bergsteiger zu einer Kaffeepause die Hütte erreichten. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg durch den Höllentalanger. Die Berge zeichneten sich schon im Licht des frühen Morgens gegen den stahlblauen Himmel ab, auf dem kein Wölkchen zu sehen war. Über der ganzen herrlichen Naturkulisse thronte die Zugspitzplattform und stellte einen starken Kontrast zur Umgebung dar.

Der Höllentalanger.

Der Höllental-Klettersteig

Nach einer knappen dreiviertel Stunde erreichten wir den Einstieg des Höllental-Klettersteigs am sogenannten Brett. Hier standen schon die ersten motivierten Klettersteiggeher, die sich die Ausrüstung anlegten, sowie eine Bergschule, deren Gäste gerade vom Bergführer ihre Klettersteigset erklärt bekamen. Der Klettersteig begann gemütlich mit einem kurzen aber sehr abgespeckten A/B-Stück, welches durch ein Fixseil entschärft wurde. Ein paar Meter durch ein paar Latschen gelaufen, kamen wir zur einer langen Klammerleiter (A/B) auf einer nassen Platte. Es bot sich der erste umwerfende Ausblick zurück ins Höllental, über dem die Sonne langsam begann die Höllentalangerhütte zu erleuchten.

Durch den Höllentalanger zum Einstieg.
Tierische Besucher am Klettersteigeinstieg.
Klammerleiter auf der Platte.
Querung am Ende des ersten Teils.

Es folgte eine Querung mit der Schwierigkeit B und gestuftes Geländer (A). Gegen Ende des ersten Klettersteigteils gab es eine weiteren Querung (A/B), welche mit Stahlstiften als Tritthilfen entlang einer weiteren Platte verlief. Eine der berühmtesten Stellen, von der gefühlt jeder Gipfelaspirant ein Foto gemacht hatte, wenn man den Bildern in den sozialen Medien glauben schenken darf.  Über die Schrofen (1- UIAA-Skala) gelangten wir wieder ins Gehgelände. 

Schrofen am Ende des ersten Klettersteigabschnitts.
Es folgt Gehgelände.

Der Höllentalferner  – ein Kargletscher

Es folgte ein gefühlt langer Hatsch durch den anfänglich noch grünen Kessel, der bald in den trostlosen Schotter des Höllentalkars überging. Endlich erreichten wir die Ausläufer des Höllentalferners, der als Lawinenkessel- oder Kargletscher hauptsächlich von den winterlichen Lawinen gespeist wird. Er ist der Zweitgrößte der fünf deutschen Gletscher und weißt neben einigen Spalten im Spätsommer eine große Randkluft auf. Schnell die Steigeisen angezogen und weiter über den Gletscher. Obwohl so früh in der Saison noch kein Plankeis vorherrschte, entschieden wir uns das Seil im Rucksack zu lassen. Der Schnee war schön fest und griffig. Dennoch mussten mir einige Spalten überqueren, die zum Glück maximal 50 Zentimeter breit war. Mittlerweile würde ich trotzdem angeseilt gehen, denn ehrlich gesagt, hatten wir damals Gletscherspalten noch etwas unterschätzt. Nach einem Spaltensturz in Italien im Juli sehe ich das Ganze doch ziemlich anders. Aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Der Höllentalferner…
… war noch schneebedeckt.

Unbeschadet überquerten wir den Ferner und kamen an der Randkluft an. Obwohl Anfang Juni noch früh in der Saison war, war die Randkluft schon so groß, dass der rechte Einstieg zum zweiten Klettersteigteil mit der C-Leiter nicht mehr sinnvoll machbar war. So reihten wir uns am linken Einstieg ein. Ein beherzter Schritt brachte uns über die Randkluft an die gegenüberliegende Wand mit einer leichtem Kletterstelle (1-2) und einem kurzen B/C-Stück.

Die Überquerung der Randkluft

Höllental-Klettersteig, Part Two

Über gestuftes Gelände und eine Rampe (A bzw. A/B, gelegentlich B) stiegen wir immer weiter auf, während uns stetig die Gipfelplattform wachsam beobachtete. In einer kleinen überdachten Rinne (B) hatte sich noch etwas Altschnee gehalten, in welchem das Drahtseil noch begraben war. Hier hieß es einige Schritte über den Schnee balancieren, denn extra nochmal die Steigeisen anzulegen, war nicht vonnöten. Auf dem anschließenden Grat bot sich ein umwerfender Ausblick auf den Eibsee. Wir durften zum ersten Mal die neue Zugspitzbahn in voller Fahrt begutachten. Die neue Bahn ist ganz schön schnell mit einer riesigen Gondel.

Der zweite Teil des Klettersteigs.

Weiter ging es über die Rinne (B, A/B), in der noch viel Schnee lag und den Aufstieg rutschig machte. Das Drahtseil lag zum Glück frei und so konnte man einigermaßen gefahrlos aufsteigen. Vorbei an der Abzweigung zum Jubiläumsgrat, meisterten wir die letzten ruhigen Meter des Gipfelaufschwungs (A). Am Kreuz angekommen, war es vorbei mit der Ruhe. Viele Tagestouristen, die mit einer der Bahnen zur Bergstation gekommen waren, wollten noch die letzten Meter zum Kreuz kraxeln und tummelten sich in Sandalen auf der kleinen Felsplattform. An einen ruhigen Moment zum Genießen und ein einsames Gipfelfoto war nicht zu denken.

Noch schneebedeckte Rinne gegen Ende des Klettersteigs.
Die letzten Meter zum Gipfel.

Schnell runter vom Kreuz und die paar Meter über ein weiteres drahtseilversichertes Stück, eine kleine Leiter und einer Rutschpartie über Schnee zur Baugerüsttreppe geklettert, die auf die Plattform führte. Auf der höchsten Baustelle Deutschlands herrschte reges Treiben. Neben zahlreichen Touristen tummelten sich dort fleißige Bauarbeiter und viel Material. Die Terrasse des Münchner Hauses war vollkommen überfüllt. Wir suchten uns einen Platz im Inneren der Hütte um eine kurze Mittagspause einzulegen bevor wir mit dem Abstieg begannen.

Die höchste Baustelle Deutschlands.

Abstieg zur Knorrhütte

Frisch gestärkt überquerten wir die deutsch-österreichische Grenze, die durch ein Schild und ein verlassenes Grenzhäuschen neben der Tiroler Zuspitzbahne erkenntlich ist. Über die Treppe hinter dem Häuschen gelangten wir zurück auf den Fels der Zugspitze. Wir folgten der Markierung Richtung Knorrhütte über einen bröseligen und schottrigen schmalen Weg entlang des Südwestgrates. Der schmale Pfad führte in Schlangenlinien die Bergflanke hinunter Richtung Sonnalpin (2576 m). Einige Stellen waren drahtseiltversichert, an anderen schattigen Flecken hatte noch Altschnee überlebt. Kurz oberhalb des Schneefernerhauses, das früher mal ein Hotel gewesen war und heute als Umweltforschungsstation dient, trafen wir auf die Schuttflanke. Ab jetzt hieß es im Schotter gen Sonnalpin rutschen, was ziemlich anstrengend war.

Abstieg über den Südwestgrat.
Zur Knorrhütte.

Vom Sonnalpin folgten wir dem Wanderweg 801 über die Moränenlandschaft des ehemaligen Gletschers, dem sogenannten Zugspitzplatt.  Diese Route  stellt auch ein Stück der alpinen Variante des europäischen Fernwanderwegs E4 dar. Auch auf dem Platt hatten  in den sonnengeschützten Senken einige Altschneefelder überlebt und wir rutschten zum Teil auf dem Hosenboden bergab. Spaßige Rodelfahrt der anderen Art. Irgendwo in den Schneefeldern begann Stefan sich mehr und mehr unwohl zu fühlen. Es kamen Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und kurz vor Knorrhütte mehrmaliges Erbrechen hinzu. Es war bis zum frühen Nachmittag ziemlich sonnig gewesen, seither herrschte eine dünne Wolkenschicht vor. Schnell war klar, dass der Gute sich einen Sonnenstich par Excellence zugezogen hatte. So einen starke Ausprägung hatte ich schon lang nicht mehr gesehen. Zum Glück waren es nur noch wenige Schritte bis zur Hütte.

Noch Schnee auf dem Zugspitzplatt.
Die Knorrhütte.

Auf der Knorrhütte angekommen, trank Stefan erstmal ein Cola, was aber bald wieder den Rückwärtsgang einlegte. Er krabbelte schnell ins Lager, schmiss sich eine Vomex ein und fiel schnell in einen tiefen Schlaf. Gegen 21 Uhr tauchte er dann doch in Gaststube auf, weil in der Durst und der Hunger plagten. Zum Glück bekamen wir noch eine Kleinigkeit für ihn.  So ging auch der zweite Tag unserer Zugspitztour zu Ende.

Ein langer Hatsch durch’s Reintal

Der Morgen des dritten Tages brach an und Stefan fühlte sich wieder putzmunter, als ob nie etwas gewesen wäre. Allerdings herrschten ab dem Sonnalpin ein paar Erinnerungslücken vor. Heute würde der gefühlt längste Teil der Tour sein, der 1400 Höhenmeter Abstieg durchs Reintal. Von vielen Wanderern als klassischer und leichtester Weg zur höchsten Punkt Deutschlands genutzt, ging es bei uns in umgekehrter Richtung. Weitere Informationen zum Aufstieg über das Tal findest du weiter unten. Nach einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstück begannen wir mit dem Abstieg. Von der Knorrhütte wanderten wir über den schmalen Pfad steil bergab übers Brunntal. Es boten sich weitläufige Ausblicke über das Reintal. Sattgrüne Wälder säumten die Partnach und liefen in hellgrünen Wiesen zu den Berghängen hin aus. Die Wände erhoben auf beiden Seiten steil dem stahlblauen Himmel entgegen.

Steil hinab durchs Brunntal

Ungefähr eine Stunde später erreichten wir den flachen Reintalanger. Grasgrüne Wiesen mit vielen gelben Butterblumen säumten den Wanderweg, der bald zwischen Waldrand und Partnach entlang lief. Obwohl uns an diesem herrlichen 27 Grad warmen Frühsommertag schon viele Wanderer begegneten, lag die Reintalangerhütte ruhig da. Kein einziger Wanderer kühlte seine Füße auf den Stühlen im Bachbett oder saß auf der Terrasse. Wir schienen die Einzigen zu sein, die nicht auf den Berg sondern herunter wollten. Der Wald wurde dichter und der Wasser des Bachlauf schwoll stark an. Vereinzelte (E-)Mountainbiker kreuzten unseren Weg und kurbelten fleißig gen Reintalanger.

Die Reintalangerhütte.

Wir erreichten die Bockhütte auf 1052 Meter, an der sich schon viele Wanderer tummelten. Die einen kühlten ihre Füße im Nass der Partnach, während andere ihren Sonntagsfrühshoppen feierten oder einfach eine verfrühte Mittagspause einlegten. Wir taten es ihnen gleich und legten eine Pause ein um uns bei Speis und Trank zu stärken.

Alaskafeeling
Die Bockhütte

Das letzte Stück Weg bis zur Partnachklamm stellte sich als der anstrengendste Teil heraus. Auf mittlerweile breiten Forststraßen mit festgefahrenen hartem Schotter schmerzten die Fußsohlen in den Bergschuhen bald massiv. Ausblick gab es leider auch keinen mehr zum Genießen. Nur noch Blätterwald rechts, links und oben soweit das Auge reichte.

Die Partnachklamm

Als wir endlich den bergseitigen Ausgang der Partnachklamm erreichten, waren wir gezwungen eine Pause einzulegen. Wir legten die Beine auf einem Stein hoch und genossen die Entlastung der Füße. Das Brennen in den Sohlen verschwand langsam. Um uns herum herrschte reges Treiben. Familien mit Kinder spielten hier am breiten Kiesufer der Partnach während andere dort picknickten. Schließlich begannen wir den Abstieg durch die Partnachklamm.

Der zahme kleine Fluss schwoll an und bildete ein reissendes, tobendes Gewässer, dass sich in Jahrmillionen seinen Weg durch den Fels gebahnt hatte. Überall fielen kleine Wasserfälle die senkrechten Wände herab. Die Klamm bot uns auf ihrer gesamten Länge unendlich viele Fotomotive, die wir aufgrund der Besuchermengen an diesem Sonntag nicht gut einfangen konnten. Machte aber nicht soviel aus, denn waren zuvor schon einmal hier gewesen. Den Beitrag dazu gibt’s hier. Die obligatorischen 5 € Eintritt pro Person berappten wir am talwärtigen Ein- bzw. Ausgang der Klamm. Von hier aus trennten uns nur noch wenige Meter vom Skistadion und dem Ende unserer Tour. 

Fazit zur unserer 2,5-Tagestour auf die Zugspitze:

Der höchste Berg Deutschlands ist ein Magnet für alle Bergsteiger und Wanderer, sodass die Wege und auch die Hütten fast immer gut besucht sind. Wir hatten von einem ortsansässigen Bergführer den Tipp bekommen, den Aufstieg über das Höllental früh in der Saison zu wagen. Die Randkluft würde noch schmal sein und einen guten Übergang zum zweiten Teil des Klettersteiges ermöglichen. Gleichzeitig würden noch nicht so viele Bergsteiger unterwegs sein und man hätte noch die Möglichkeit recht spontan Schlafplätze auf den Hütten zu reservieren. Die Randkluft war sehr akzeptabel im Bereich des linken Einstiegs und auch der Klettersteig war nicht wirklich überlaufen. Dennoch sollte man nicht auf Gletscherausrüstung mit Steigeisen und Seilsicherung verzichten, da die Spalten zu dieser Jahreszeit noch nicht frei liegen. Wir hatten das doch etwas unterschätzt. Obwohl alles gut gegangen ist, würden wir das nächste Mal in Seilschaft gehen. Schlafplatz war auf der Höllentalangerhütte kein Problem, dagegen war die Knorrhütte brechend voll. Viele Bergschulen nächtigten dort mit ihren Gästen auf dem Weg zum Zugspitzgipfel.

Die Höllental- wie auch die Partnachklamm sind absolut sehenswert und laden ein sich Zeit zum Fotografieren zu nehmen. Ein Hauch von Alaska umweht das Höllen- und das Reintal, die Landschaft ist einfach umwerfend schön. Der Klettersteig weißt herrlich hochalpinen Charakter auf. Dagegen ist die Zugspitzplattform ein echter Kulturschock nach der ruhigen Bergwelt.  Insgesamt eine wunderschöne Tour für ein verlängertes Wochenende!

Daten & Fakten:

  • Tag 1: Skistadion (GAP) –  Höllentalangerhütte
    • Strecke: 11,38 km (inkl. Busfahrt)
    • Dauer: 3h 27min
    • Höhenmeter: 594 hm
  • Tag 2: Höllentalangerhütte – Münchner Haus (Zugspitze)
    • Strecke: 7,75 km
    • Dauer: 6h 40min
    • Höhenmeter: 2103 hm
  • Tag 2: Münchner Haus – Knorrhütte
    • Strecke: 4,72 km
    • Dauer:2h 29min
    • Höhenmeter: 896 hm Abstieg, 13 hm Aufstieg
  • Tag 3: Knorrhütte – Skistadion
    • Strecke: 19, 53 km
    • Dauer:5h 25min
    • Höhenmeter: 1411 hm Abstieg, 95 hm Anstieg

Links zu den Hütten und weitere Aufstiegsvarianten findest du weiter unten in diesem Beitrag!

Weitere Aufstiegsvarianten auf den höchsten Berg Deutschlands:

Aufstieg über das Reintal:

Die technisch einfachste Route stellte eine klassische Wanderung dar, ist aber mit knapp 20 Kilometer der weiteste Weg auf den Gipfel. Vom Skistadion wandert man durch die Partnachklamm, die wunderschöne Eindrücke liefert. Die Reintalangerhütte (1370 m) und die Knorrhütte (2057 m) bieten sich hierbei zum Übernachten an. Ist der Weg bis zum Ende des Reintals eher flach und gemütlich, so nimmt die Steilheit im Brunntal bis zur Knorrhütte ordentlich zu. Zu jederzeit ist die Route aber ein roter Wanderweg. Einzig der letzte Teil des Aufstiegs, der durch den Schotterhang am Schneeferner Haus führt, erfordert Trittsicherheit und eventuell Trekkingstöcke. Das letzte Stück ist immer wieder mit Drahtseilen als Absturzsicherung versichert. Bei guter Trittsicherheit ist hier kein Klettersteigset von Nöten. Wer sich unsicher ist, sollte dagegen die paar Gramm mehr in den Rucksack packen. Am Häufigsten wird diese Variante als Zwei-Tages-Tour begangen. Die Talfahrt erfolgt mit einer der drei Bahnen.

Berge umschließen das Reintal.

Aufstieg über die Ehrwalder Alm und das Gatterl:

Von österreichischem Ehrwald führt die Route über die Alm (1502 m) und das versicherte Gatterl (2024 m) zur Knorrhütte (2057 m), von wo sie sich die letzten Meter bis zum Gipfel mit der Reintalroute teilt.  Als Ein-Tages-Tour machbar, gemütlich wird es mit einer Übernachtung.

  • Infos zur Knorrhütte: siehe oben
Im Juni ist das Zugspitzplatt noch schneebedeckt.

Aufstieg über das österreichische Schneekar und den Stopselzieher-Klettersteig:

Der kürzeste Weg auf die Zugspitze beginnt am Eibsee (950 m) und führt steil über die Wiener-Neustädter-Hütte (2209) durch das österreichische Schneekar. Anschließend erklimmt man die 480 Höhenmeter der Nordwestflanke über den Stopselzieher-Klettersteig. Der Klettersteig weißt die Schwierigkeit A/B auf und man benötigt circa 2 Stunden bevor man über den Südwesgtgrat zum höchsten Punkt Deutschlands gelangt. Auch diese Variante ist als Tagestour bewältigbar. Talfahrt mit der Bahn.

Aufstieg durch das Höllental:

Der Aufstieg beginnt in Hammersbach (758 m) und man passiert die Höllentalklamm. Diese Klamm ist zwar etwas kürzer als die Partnachklamm, bietet aber nicht weniger spektakuläre Eindrücke. Die Höllentalangerhütte (1381 m), derzeit eine der modernsten Hütten im Alpenraum und komplett autark, bietet eine gute Pausen- oder Übernachtungsmöglichkeit. Bald nach der Hütte trifft man auf den mittelschweren Höllentalklettersteig. In dem B/C – Klettersteig bewältigt man 1350 Höhenmeter und quert den Höllentalferner, der noch einige Spalten aufweist. Komplette Gletscherausrüstung ist hier absolut empfehlenswert. Im Spätsommer wird die Randkluft sehr groß und erschwert die Passage vom Gletscher zum Drahtseil massiv. Häufig wird diese Route auf zwei Tage begangen, dagegen schaffen es konditionsstarke Bergsteiger innerhalb eines Tages. Da der Weg über das Höllental der beliebteste Weg auf die Zugspitze ist, muss man mit viel Aufkommen und auch Stau im Klettersteig rechnen. Die Talfahrt erfolgt in der Regel wieder mit einer der drei Bahnen.

Der Höllentalferner

Aufstieg über den Jubliäumsgrat:

Über den Osterfelderkopf (2050 m) und die Alpspitz-Ferrata  gelangt man über die Alpspitze (2628 m) auf den Jubiläumsgrat. Die mit circa 5 Kilometer längste Grattour der Ostalpen ist eine Mischung aus Kletterei und Klettersteig und erfordert eine gute Kondition. Während der sieben Stunden Gehzeit müssen Kletterstellen im dritten UIAA-Schwierigkeitsgrad und Klettersteigstellen bis zur Schwierigkeit D sowie weit über 2000 Höhenmeter bewältigt werden. Die Tour sollte nur bei stabilen Wetterverhältnissen begangen werden. Sollte doch ein unerwarteter Umschwung eintreten, so steht eine kleine Biwakschachtel auf dem Grat als Notunterkunft zur Verfügung. Übernachtungsmöglichkeit besteht – je nach Variante – auf der Knorrhütte oder dem Münchner Haus auf dem Zugspitzplatt.

Der Jubiläumsgrat

 

 

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